In der aktuellen Ausgabe der “Neon” gibt es einen Artikel, der sich mit dem Partyleben beschäftigt. Im Gegensatz zur momentanen “Flatrate-Party”-Diskussion ist dieser allerdings als “Hymne an die Partynacht” zu verstehen. Verschiedene Autoren beschreiben dort ihre Lieblingsstunde(n) in der Nacht. Ich habe mal überlegt, welche Stunde mir eigentlich am besten gefällt. Mal davon abgesehen, dass die Stunden in letzter Zeit aufgrund akuter schnell-Müdigkeit sowieso eher im weniger repräsentativen Bereich sind, habe ich für mich die Stunde zwischen null und ein Uhr auserkoren.

Warum? Na das Aufhübschen, das kanns nicht sein. Passiert meist ohne großen Spaßfaktor allein im Badezimmer. Vorglühen ist auch nicht mehr das, was es mal war, einfach weil der Alkohol, den man zuhause hat, irgendwie immer zum gleich wieder ausk*** schmeckt. Die heiklen Minuten gegen 22.30 bis 23 Uhr sind auch nicht gerade spaßig, hier steht jedes Mal die Frage im Raum, ob man denn überhaupt noch losgeht oder eigentlich nicht vieeel zu müde ist und einen vieeel zu anstrengenden Tag hatte. Rafft man sich dennoch auf, kommt als nächstes die “Eingewöhnungsphase”. Erstmal komplett durch alle Räume schleichen, meistens feststellen, dass überall nur komische Leute herumlaufen und der Stammraum noch am ehesten zu ertragen ist, und dann erstmal an die Bar, einen Drink holen. Dort macht man dann das gleiche, wie zuvor beim durch-die-Räume-schleichen: Sich umschauen, ob man vielleicht ein bekanntes Gesicht sieht, das man eigentlich überhaupt nicht treffen wollte (1. Schlechte-Laune-Punkt) und sich überlegen, wo der sonst so gute DJ die Gruselmusik, die momentan durch die Lautsprecher dröhnt, eigentlich ausgegraben hat (2. Schlechte-Laune-Punkt). Hat man diese Schwelle dann aber überwunden und sich vom Argument überzeugen lassen, dass der hohe Eintrittspreis sein Geld ja nicht wert war, wenn man nach einer halben Stunde schon wieder das Handtuch schmeißt, dann kommt die Stunde.

Es ist jetzt etwa 0 Uhr, manchmal auch 0.30 Uhr. Die Tanzfläche ist bis auf ein paar kuriose Gestalten, die ihre Gliedmaßen bewegen als ob sie nicht wüssten, wozu sie eigentlich da sind, vollkommen leer. Alles steht am Rande des Geschehens, hält sich krampfhaft am Glas oder an der Zigarette fest. Und dann kommt er. Der Song, der drei Viertel der Partymacher wie magisch auf die Tanzfläche zieht. Der Song selbst ist je nach Publikum, DJ und momentaner Chart-Lage variabel, bei mir ist es aber seit dem Bulgarien-Urlaub im letzten Jahr “Boten Anna” von Basshunter. (Zu dem Song muss ich anmerken, dass ICH ihn ja schon vor allen anderen kannte. Im Juni 2006 war es der Kracher im “Lazur” im bulgarischen Sonnenstrand, zu dem besonders die Schweden immer abgegangen sind. Welch Wunder, ist ja auch eine schwedische Band. Ich muss aber sagen, dass der Song wirklich was hat. Mittlerweile kann ich ihn zwar so nicht mehr hören, in der Disco übt er aber seinen unwiderstehlichen Bulgarien-Charme aus, der mich einfach auf die Tanzfläche zieht.) Als ob die Leute also plötzlich vergessen haben, wie man sich an Zigarette oder Glas festhält, tanzen sie ausgelassen und gröhlen mit (wenn es nicht gerade Boten Anna ist, und man kein Schwedisch kann). Ab diesem Punkt hat der DJ gewonnen. Er spielt Songs, die einen automatisch auf der Tanzfläche lassen, und ist einmal einer dazwischen, bei dem man entfernt daran denkt, vielleicht doch noch einmal etwas zu trinken, dann kommt der nächste, der einen vom Rand der Tanzfläche wieder in die Mitte der Meute zieht. Diese Hoch-Phase hält dann etwa eine Stunde an, dann kommt der DJ auf einmal auf die Idee, das Genre zu wechseln. Die Hälfte verflüchtigt sich also wieder an die Bars und wartet sehnsüchtig darauf, dass der Plattentellermensch da oben zur Besinnung kommt und wieder die Musik spielt, die man gerne hören möchte. Das Tückische an genau dieser Stelle ist, dass sich spätestens jetzt bei mir der Alkohol bemerkbar macht. Leider nicht in Form von ausufernder Ausgelassenheit, sondern lediglich dadurch, dass ich furchtbar müde werde. Nach fünfzehn-minütigem Lounge-Sitzen komme ich dann meistens zu dem Schluss, dass nun für heute ja auch gut ist und die Woche ja hart war… bla bla. Solche Ausreden eben, für die ich mich am nächsten Tag (und meistens schon während der Fahrt nach Hause) Ohrfeigen könnte.

Manchmal frage ich mich wirklich, warum Partymachen zu Abizeiten noch so einfach war und jetzt so ein Kraftakt geworden ist. Sicherlich haben sich die Motive, warum ich weggehe, geändert (oder ist es genau das?), aber zumindest bis 3 Uhr sollte man doch durchhalten können. Gerade habe ich beschlossen, dass heute die beste Gelegenheit ist, diesem Verhalten ein Ende zu machen. Wo auch immer der “Tanz in den Mai” stattfinden wird - er dauert mindestens bis morgens um eins drei!

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