Ich hatte Geburtstag und ich habe ein Geschenk bekommen. Eines, das süchtig macht. Pandora heißt es und sieht folgendermaßen aus:

Es sind Armbänder, wahlweise auch Halsketten in Silber oder Gold, die zu Beginn aus der puren Kette bestehen. Alle Steine, die man dann darauf sieht, kann man sich einzeln kaufen und ganz individuell zusammenstellen. Eine Kette plus zwei Steine kostet ungefähr 100 Euro, die Steine in Silber fangen bei 19 Euro an. Und da geht das Dilemma los. Etwa 20 Steine passen an ein Armband. Da man sich allein aus den Kostengründen nie ein ganzes Armband auf einmal kauft, ist man ständig auf der Suche nach neuen Steinen. Das Konzept hat bei mir voll angeschlagen. Da der einzelne Stein vermeintlich nicht so teuer ist, kauft man sich schnell einmal einen. Ist das Armband aber voll, hat man einen Wert am Arm hängen, mit dem ich mich, wenn ich mir das bewusst machen würde, nicht trauen würde, aus dem Haus zu gehen.
Los ging das Leiden direkt an meinem Geburtstag. Mein Schatz hat mir das Armband geschenkt, zusammen mit einem Stein, auf dem Sonne, Mond und Sterne waren (”Damit du weißt, dass ich immer für dich da bin”) und einer Maus (”Damit du unsere Mädels (=Ratten) immer mit dir herumtragen kannst”). Noch am gleichen Tag waren wir in Timmendorfer Strand. Und was mache ich? Halte automatisch Ausschau nach einem Juwelier und dort dann ganz gezielt nach Pandora. Und ich habe Pandora gefunden. Und weil ich ja nun mal Geburtstag hatte, habe ich mir gleich noch einen Murano-Glasstein für 29 Euro gekauft.
Ein paar Tage später im Urlaub: Lina läuft durchs komplette Einkaufszentrum mit dem Pandora-Tunnelblick. Haben sie das hier? Nein. Dort? Auch nicht. Aber da, da liegen doch Pandorasteine! Und weil sie in Spanien nur fünf statt 19 Prozent Mehrwertsteuer haben, kosten die Steine dort nur 16,50 statt 19 Euro. Mein Schatz schenkt mir ein Herz (”Weil ich dich so liebe”) und ich schenke mir selbst einen weiteren Stein (”Weil ich ja schließlich im Urlaub bin - der ist eine Erinnerung daran!”).
Noch ein paar Tage später auf einem “Plagiat-Markt”: Lina hat den ultimativen Pandora-Blick entwickelt und findet den einzigen zwischen 200 Ständen heraus, der die kleinen Steinchen im Angebot hat. Fälschungen allerdings. Egal, ich finde einen Stein, der mit seinen Zirkonia-Steinchen innen drin etwa 50 Euro in Deutschland kosten soll und hier nur 20 Euro. Ich kaufe ihn (Zitat Verkäuferin: “Der ist original nachgemacht!”)

Wie soll das bloß weitergehen? Wie kann ich mich aus dem Haus bewegen, ohne auf Pandora-Suche zu sein? Wie kann ich mein Geld auf dem Konto lassen, wenn das Band noch sooo leer aussieht? Wie kann ich mich in die Königpassage begeben, wo gleich ein ganzer Pandora-Shop auf mich wartet? Und was zum Teufel mache ich, wenn ich mein gesamtes Vermögen in dieses Armband investiert habe und es voll ist? Fange ich mit einem zweiten an? Kaufe ich mir gar eine Kette (die es passenderweise genauso wie Ringe, Broschen und sonstigen Schmuck gibt)?
Ich weiß nicht, warum. Aber diese kleinen Steinchen üben eine magische Anziehungskraft aus, die jedes Mal “Kauf mich, an deinem Arm ist noch Platz” schreit. Hoffentlich hören die Stimmen in meinem Kopf auf, sobald am Arm kein Platz mehr ist. Obwohl meine Hoffnung gering ist - denn solange ich Geld habe, wird die Stimme wohl nicht versiegen. Und selbst wenn ich keines mehr habe - dann gibt es ja auch noch die zahlreichen Pandora-Fälschungen, deren Kauf sich mir momentan (bis auf meinen Ausrutscher auf dem Markt) noch verbietet.

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