Zu erkennen, dass man glücklich war, ist leicht. Zu erkennen, dass man glücklich ist, ist Kunst.
Diesen Spruch habe ich gerade in der Signatur eines Forumnutzers gelesen - und fand ihn wirklich bemerkenswert. Wenn man einmal darüber nachdenkt, steckt dort viel Wahres drin. Ich weiß, dass ich im Kindergarten mit meinem Kindergartenfreund glücklich war, als wir auf einem Kletterbaum Ufo spielten. Ich weiß auch, dass ich auf meinem Abiball glücklich war und ziemlich glücklich war ich auch in meinem Bulgarienurlaub. Letztendlich war ich eigentlich auch unwahrscheinlich glücklich, als ich das erste mal in den Armen meines Freundes lag.
Aber habe ich mich in dem Moment auch glücklich gefühlt? Im Kindergartenalter ist es schwer, Glück als solches zu erkennen, das klammere ich jetzt mal aus. Auf meinem Abiball habe ich die Hälfte der Zeit daran gedacht, was wohl die Lehrer gerade denken, mit denen ich mich nach dreizehn harmonischen Jahren noch nach dem Abi gezofft habe. Das war nicht wirklich entspannend und in dem Moment hätte ich auch nicht von mir selbst behauptet, ich sei glücklich. Okay, ein bisschen zwar. Aber nicht so, wie ich jetzt denke, dass ich dort glücklich war. Ähnlich ist es mit dem Urlaub in Bulgarien. Er hat Spaß gemacht, keine Frage. Nachdem ich mich aber - wie es ja so meine Art ist - in den ersten zwei Tagen unsterblich in einen gutaussehenden jungen Mann verliebt habe, der mich dann in der zweiten durchgetanzten Nacht abservierte und mir trotzdem ständig vor der Nase rumsprang, weil meine Freundin ausgerechnet mit seinem Bruder anbandelte, hätte ich in diesen Tagen nicht mehr behauptet, ich sei glücklich. Wenn ich jetzt aber an diesen Urlaub zurückdenke, dann bin ich der festen Überzeugung, dass ich dort trotzdem glüclich war. Nichts anderes bestätigen die anderen fünf Kerle, die mir die darauffolgenden Nächte dort versüßt haben…
Das mit den Armen meines Freundes, das ist dann irgendwie doch noch etwas anderes. Ich denke schon, dass ich in dem Moment wusste, dass ich glücklich bin. Ich weiß zumindest, dass ich das da so gefühlt habe. Wie glücklich ich aber eigentlich überhaupt war, dass weiß ich erst jetzt, wenn ich mich daran zurückerinnere. Denn damals, da war das alles noch so aufregend und irgendwie habe ich die Ganze Zeit daran gedacht, was wir denn bloß machen, wenn wir in den nächsten Minuten/Stunden/Tagen aufstehen werden - genießen konnte ich das Glück da nicht wirklich.
Ich erlebe ab und zu tatsächlich Momente, in denen ich denke “Mensch, jetzt bin ich aber glücklich!”. Doch diese bewussten Momente des Glücks sind rar, sie bedürfen schon einiger innerer Ruhe und äußerer Zeit, damit man überhaupt die Chance hat, diesen Moment für sich als glücksvoll zu bezeichnen. Wesentlich öfter sind da die Momente des unbewussten Glücks. In der Situation, in der man gerade steckt, weiß man gar nicht, dass man gerade doch ziemlich glücklich ist. Erinnert man sich aber später daran, zaubert es einem ein sanftes Lächeln ins Gesicht. Und dann weiß ich, dass ich dabei glücklich war. Ein Beispiel? Der nächtliche Strandbesuch mit meinem Freund im Urlaub. Als wir da waren, und nachts aneinander gekuschelt am Strand saßen, war der Moment schön. Ich habe ihn genossen. Aber ob ich glücklich war, darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht. Denke ich jetzt aber daran zurück, kommt eben dieses Lächeln und ich denke im Nachhinein, dass das doch ein wirklich glücklicher Moment gewesen ist.
Der Satz ist wahr. Aber kann man lernen, das Glück zu erkennen? Wenn es eine Kunst ist, gehört dazu tatsächlich ein wenig Talent, um es zur Perfektion zu bringen. Wer es durschnittlich mag, für den reicht vermutlich ein wenig Übung. Ich übe jetzt. Und in diesem Moment weiß ich, dass ich glücklich bin - weil ich mit diesem Text soeben einen weiteren Blogeintrag geschafft habe.

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Schön geschrieben, ich denke es ist wirklich eine Kunst zu erkennen das man grade im moment glücklich ist und doch eigentlich alles toll ist, vielleicht liegt es auch nur daran das diese Glücksmomente eher von kurzer Dauer sind, und wir selbstkritisch wie wir sind immer hier und da ein paar Sorgen haben, selbst wenn man eben keinen grund hat sich sorgen zu machen.
Im nachhinein sagt man dann, wie du schon geschrieben hast, damals, da war es wirklich toll. Eine tolle Zeit und man was war ich da glücklich. Die postitiven Aspekte die einem dann aktuell geschehen fallen einem dann wohl nur ein wenn sie in der Vergangenheit liegen….
grüße
Jägi
P.S: Der Satz stammt übrigens aus einem Liedtext der deutschen Band Kettcar, falls es interessiert