Es ist ein schöner Song. Er ist ruhig, hat Hintergrund, bei ihm bekomme ich eine Gänsehaut. Und immer, wenn ich ihn höre, denke ich dabei an jemanden. Leider ist es keine besonders schöne Erinnerung, was weniger am Verhalten der Person denn an meinem lag, aber das ist eigentlich eine andere Geschichte.
Es gibt noch einen anderen Song. Er ist ebenso ruhig, hat Hintergrund und bei ihm werde ich immer furchtbar traurig. Wenn ich ihn höre, denke ich dabei an jemanden. Auch das ist keine besonders schöne Erinnerung, hier liegt es aber an der Person.
Es scheint manchmal, als seien Lieder besonders gut dazu geeignet, sich mit Erinnerungen zu verknüpfen. Das Problem ist nur, dass man diese Erinnerungen anscheinend nicht überschrieben bekommt. Man kann weder die Verknüpfungen ganz lösen, noch neue schaffen. Entweder, ein Song hat eine Erinnerung, oder nicht. Aber eine neue - das ist unmöglich. Dabei sind gerade die beiden solche schönen Songs, bei denen ich eigentlich keine schlechten Erinnerungen haben möchte. Vielleicht ist das aber auch alles genau so gewollt, damit man nicht vergisst, was man bisher erlebt hat. Damit etwas nicht einfach ausgelöscht werden kann, auch wenn es noch so traurig war. Vielleicht weiß das Gedächtnis, dass man noch einmal daraus lernen kann und ruft es so wieder in Erinnerung.
Aber auch die Erinnerungen an sich haben etwas Tückisches. Mitunter sind sie gar nicht an einen Song gebunden sondern einfach an die Person selbst. Und wenn jemand halbwegs so aussieht, oder etwas tut, das ähnlich war, oder man in einer stillen Minute einfach nur ein wenig in seinem Kopf kramt, dann kommt es wieder. Die Worte, die Geste, der Blick, vielleicht auch die Berührung. Und komischerweise ist auch das wieder einmal nichts, an das man sich erinnern möchte. Denn dann wäre es keine Erinnerung, dann wäre es auch heute noch so. Obwohl, das stimmt eigentlich auch nicht. In dem Moment, aus dem die Erinnerung stammt, da war es schön. Unschön wurde es erst später. Aber da alles miteinander verknüpft scheint, ruft die schöne die schlechte Erinnerung gleichermaßen hervor - und man wird traurig. Dass es nicht geblieben ist.
Daran schließt sich nun aber eine ganz neue Frage an. Warum denn wird man traurig, wenn man doch jetzt, in diesem Moment etwas hat, das so viel besser ist. Also nicht, dass man einen Apfel hat, wenn man Schokolade haben könnte. Nein, zwei Schokosorten von denen eine eben noch besser schmeckt. Die hat man. Aber die andere, die hatte auch so einen ganz besonderen Geschmack, den man vermisst. Warum fällt es manchmal so schwer, loszulassen? Sich damit abzufinden, zu schätzen, was man jetzt hat, wie toll das eigentlich ist? Vielleicht, weil man nicht weiß, wie es hätte werden können. Weil es dieser Moment war, der so schön war. Aber die vielen anderen, die noch hätten kommen können, die hat man nicht mitbekommen. Und so hat man keinen wirklichen Vergleich und setzt diesen einen Moment mit einer Fülle von anderen auf eine Stufe und denkt, sie wären gleichwertig.
Und warum tut man genau das immer noch, wenn man sich gerade selbst so plausibel erklärt hat, dass das nicht geht?

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