Warum er genau mich angesprochen hat, weiß ich nicht. Mein Fehler war nur, nicht gleich abzuwimmeln sondern in meinem Verständnis, für diese Situation, Leute ansprechen zu müssen, die einem dann doch nichts sagen wollen, stehen zu bleiben. Er fragte mich was und ich guckte blöd, denn verstanden habe ich es nicht. Achso, ob ich Tiere hätte. Ja klar, Ratten. Was? Was zur Hölle hat er jetzt gesagt? Ah, ob ich nicht auch wollen würde, dass sie gesetzlich anerkannt werden. Naja, Ratten werden wohl gesetzlich nur als Schädlinge anerkannt, aber gut. Zwei Minuten will er haben. Und in zwei Minuten erzählt mir dieser Tierschützer, wie schlimm es ist, dass Tiere misshandelt werden, dass die Täter dafür nicht bestraft werden und was er alles dafür tut.

Er zieht alle Register. Er scherzt, er baggert, er setzt auf Mitleid mit schrecklichen Bildern, irgendwann fängt er an, mich zu duzen, das soll es wohl persönlicher machen. Er hat sein Handwerk echt drauf. Aber irgendwann erkenne ich, warum ich ihn nicht verstehe. Er spricht schlichtweg nicht deutsch. Ich frage ihn, ob er aus Sachsen kommt. Er sagt ja, es bringt ihn halb aus dem Konzept, dass ich so einfach das Thema wechsle. Aber er fängt sich schnell, redet weiter. Ich gebe mir alle Mühe, ihm zuzuhören. Aber ich verstehe ihn einfach nicht. Außerdem spricht er furchtbar schnell um - wenn er seine versprochenen 2 Minuten schon nicht schafft - wenigstens die 7 einzuhalten. Am Ende erzählt er mir, ich solle Mitglied werden. Er erzählt mir nicht, dass auf dem Zettel kleingedruckt steht, dass ich mich für zwei Jahre verpflichte. Das lese ich selbst und finde beides eine Frechheit. Dass er mich nicht drauf hinweist und der Fakt an sich. Ich unterschreibe nicht.

Warum? 1. Weil ich die Hälfte dessen, was er erzählt hat, rein akustisch nicht verstanden habe. 2. Weil ich generell nichts auf der Straße unterschreibe. 3. Weil er mir 120 Euro aus der Tasche leiern wollte und mir das nicht so explizit gesagt hat.

Ich bin mir aber sicher, hätten sie da jemanden gehabt, der Hochdeutsch gesprochen hätte, dann hätte ich mich vielleicht überzeugen lassen. So schlecht finde ich die Idee nämlich gar nicht. Also bitte liebe Was-auch-immer-Organisationen - setzt die Leute, die Kunden auf der Straße anwerben sollen doch bitte dort ein, wo man sie auch versteht. Einen Sachsen in Leipzig, einen Bayern in München und einen Schleswig-Holsteiner in Scharbeutz. Dann unterschreibe ich auch. Ehrlich.

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