Nichts ist schlimmer, wenn auf der Jahresversammlung des Vereins der Gleichstellungsbeauftragten die Vorsitzende aufsteht, ihr Manuskript in die Hand nimmt und voller Begeisterung “Liebe Mitglieder und Mitgliederinnen…” vorliest.
Es gibt Mitglieder. Männlich wie weiblich. Mitgliederinnen ist schlicht falsch. Und ganz schrecklich anzuhören. Allerdings scheint das in Zeiten von einer Emanzipation für alle und der Bibel in gerechter Sprache leider überhaupt keinen mehr zu interessieren. Es wird in -in oder -innen angehängt, wo immer man meint, hier müsse auch das weibliche Geschlecht explizit mit einbezogen werden. Wer es nicht tut, entschuldigt sich dafür mehrfach und bittet vielmals um Verständnis.
So ein Professor zu Beginn des Semesters. Er werde auf die weibliche Form verzichten, erzählte er, bevor er mit dem ersten Satz seines Manuskriptes begann. Aber die Lesbarkeit würde darunter enorm leiden, genauso wie die Verständlichkeit. Er wolle aber niemanden diskriminieren und hoffe auf unser Verständnis.
Ich habe kein Verständnis. Nicht für Leute, die Mitgliederinnen sagen und nicht für Leute, die wollen, dass man Mitgliederinnen sagt. Ich habe Verständnis, nein, vollsten Respekt für meinen Professor, der mit dieser Untugend aufräumt. Nur entschuldigen sollte er sich dafür zukünftig nicht mehr. Denn er hat vollkommen recht. Die Sprache wird kompliziert, unnötig aufgebauscht und die Emanzipation braucht nun wirklich alles - außer einer permanent-penetranten angefügten Endung, die sie explizit als solche ausweist.
Überrascht war ich ob dieser Inflation von Mitgliederinnen, als ich letztens in der Tierarztpraxis in der Vogue blätterte. Zum einen, weil ich mich gefragt habe, wer beim Tierarzt die Vogue liest, und zum anderen, weil da mit einer ebenso penetranten Konsequenz Christiane Arp als “Chefredakteur” bezeichnet wurde. Ohne -in. Auf jeder der 300 Seiten, auf der sie Erwähnung fand, fand sich kein einziges -in.
Nun zeigt sich hier besonders deutlich, wie sehr ich schon von diesen ganzen Mitgliederinnen eingenebelt bin. Denn komplett irritiert von “Chefredakteur Christiane Arp” fing ich erst einmal an zu Zweifeln, ob sie tatsächlich weiblich ist. Wer weiß, in welchen Ecken dieser Erde Christiane eine männliche Form ist? Anscheinend in keiner. Denn - und hier ist der Beweis:

Chefredakteur Christiane Arp ist eine Frau. Ganz ohne -in, ganz emanzipiert.
Ganz Vogue.

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Hehe, sehr belustigende Sichtweise. Irgendwo muss die Emanzipation aber wirklich aufhören/enden.