Im T-Punkt schleppt ein Magentahemdfarbener Mitarbeiter eine Kundin Mitte 50 zum iPhone-Stand. “Sie können auch ein iPhone haben, damit können Sie surfen, mailen und sogar eine Wasserwaage hat es. Ich hole einmal den Prospekt mit den Tarifen.” Kundin nimmt das Handy, dreht es in der Hand, drückt drauf rum. Dreht sich zu mir: “Kann man damit denn auch telefonieren?”

Ich habe mir das iPhone kurze Zeit später gekauft. Nachdem es sich endlos hingezogen hat, bis sich die entsprechenden Vertragsmodalitäten mit T-Mobile geklärt haben, konnte ich es kaum erwarten, endlich das iPhone 3GS zu bestellen. Und dann war es da. Und dann war es gar nicht mehr so spektakulär.

Ein Twitterkommentar über meine Enttäuschung lautete: “das muss man erstmal realisieren!” So scheint es wirklich zu sein, denn je mehr ich mich damit beschäftige, desto mehr Spaß macht es mir, das iPhone. Mittlerweile habe ich den Appstore verstanden und mir nette und blöde und nützliche Apps herunter geladen. Ich habe die Standby-Taste nach drei Tagen gefunden und weiß seit Kurzem auch, wie man beim Schneiden von Videos den Cursor bewegt.

Aber ich hole auch jeden Abend ein extra Abschminktuch aus der Packung, um die Spuren des Tages wieder vom Handy zu wischen. Und manchmal kann ich die Focus online Artikel vor lauter Fingerabdrücken auf dem Display gar nicht richtig lesen.

Seit ich mein iPhone habe, gibt es auch häufiger Missverständnisse mit meinem Freund. Er versteht mich einfach nicht mehr. Lautsprecher und Mikrofon sind so leise, dass man nicht telefonieren kann, ohne dass es jeder drum herum mitkriegt. Aber das ist noch besser, als die Monologe in der Freisprecheinrichtung. Ich lausche dem Anrufer andächtig, auf meine Ratschläge hört er aber nicht. Er hört sie nicht.

Seit ich mein iPhone habe kann ich aber auch ständig twittern, immer meine Emails empfangen und meinen Kontostand abrufen. Ich weiß, wo die nächste Post ist, habe mitten im Wald immer eine Karte dabei und kann Kühe mit der Steinschleuder treffen.

Daher mein Fazit: wirklich faszinierend ist das iPhone nicht mehr. Aber es bereichert meine Alltag. Der Mittfünfzigerin würde ich heute antworten: “Das iPhone kann alles. Aber nicht telefonieren.”

3 Antworten zu “Nur telefonieren kann es nicht.”
  1. iMeister sagt:

    Ohje,

    ich benutze mein iPhone auch für alles, ob twittern, emails, briefkasten, bankautomaten, navi oder kostenlose sms versenden, aber eins tu ich so gut wie gar nicht, telefonieren…

    :-)

  2. bikershrek sagt:

    Hm, ihr habt ja so Recht. :D
    SMSen und telefonieren tue auch ich am Wenigsten damit.
    … und ebenfalls - NIE wieder ohne iPhone.
    Beste Grüße
    bikershrek

  3. Medien-Büro sagt:

    Eine Szene in “Sex and the City - The Movie” sagt alles: Da will Carrie telefonieren und bekommt ein iPhone gereicht. Nachdem sie es komisch anschaut und drauf rumtippt gibt sie es wieder zurück und sagt “Ich will ein Telefon mit dem man auch telefonieren kann!” (oder so ähnlich)! ;o))
    Na ja, ich liebe mein iPhone! Aber telefonieren… Mhhh… geht, klar. Aber das iPhone ist weit mehr als ein Handy! ;o)

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