Mehr als 3000 Bürger in Ostholstein sind Mitglied in der Feuerwehr, seit kurzem gibt es eines mehr. Andreas Göldner ist neu dabei und die LN begleiten ihn in seinem ersten Jahr als Feuerwehranwärter.
Im zweiten Teil meiner neuen Serie stellen wir das Neumitglied vor. Erschienen heute, 29. Dezember, in den Lübecker Nachrichten, Lokalteil Ostholstein-Süd:
Nach langer Planungszeit ist heute meine selbst konzipierte Serie zur Ausbildung in den Freiwilligen Feuerwehren in den Lübecker Nachrichten - Lokalausgabe Ostholstein Süd gestartet.
Zu Beginn gab es ein Interview mit Ostholsteins Landrat Reinhard Sager und dem Kreisbrandmeister Ralf Thomsen. Ab der kommenden Woche geht es dann richtig los: Wir begleiten einen Feuerwehranwärter ein Jahr lang während seiner Ausbildung und dem Feuerwehralltag, beleuchten Probleme und Freuden in der Wehr.
Für alle Interessierten gibt es hier schon einmal das Interview:
Von: Lina An: einen Freund Betreff: Es gab da mal eine Zeit…
Es gab da mal eine Zeit, da haben wir uns nur in den Vorlesungen und Seminaren gesehen. Das war eigentlich auch ganz lustig, weil man immer wusste, dass da jemand ist, dem man den Spiegel wegnehmen konnte (so ein Käseblatt muss eh keiner lesen) und langweilig wurde es so eigentlich auch nie. Aber während der Professor vorne redet, kann man selbst ja auch nicht richtig reden, und deshalb haben wir nie viel geredet und ich konnte mir eigentlich auch nicht vorstellen, dass man mit dir so fürchterlich gut reden könnte.
Das war im ersten Semester.
Dann gab es da mal eine Zeit, in der sind wir zusammen in die Mensa gegangen und haben uns zwischen den Lehrveranstaltungen getroffen, weil wir sowieso nicht so viele davon zusammen hatten. Aber sehen wollte man sich trotzdem, irgendwie auch außerhalb der Uni. Deshalb waren wir auch mal im Bolero und ich dachte, nach einer halben Stunde geht der Gesprächsstoff aus. Aber du hattest doch ein bisschen was zu erzählen und ich auch und daraus wurden dann fünf Stunden. Und ich habe dir in einer total ulkigen Bar in der Schanze, in der außer uns ja keiner war, aber die totaaaal Szene war, von meinen Problemen erzählt, und du warst für mich irgendwie da und hast mir Ratschläge gegeben. Und du hast mit deiner Freundin Schluss gemacht und hast mir eine Stunde lang bei Subway davon erzählt und wie blöd das alles gelaufen ist und ich habe dir zugehört - und vielleicht auch ein paar Ratschläge gegeben.
Das war im zweiten Semester.
Dann gab es da mal eine Zeit, in der wurde ich zu gemütlichen Sit-Ins und großen Partys und Kanutouren eingeladen und das war eigentlich noch viel spaßiger, weil man sich so ja auch mal so fürchterlich viel außerhalb der Uni erzählen konnte. Und ich habe deinen riesigen Freundeskreis kennen gelernt und habe herausgefunden, dass die nicht nur komisch (okay, meistens doch), sondern mitunter auch ganz schön nett sein können. Du hast ein neues Mädchen kennen gelernt und ich habe zugegebenermaßen immer wieder nachgebohrt, aber erzählt hast du dann doch ganz bereitwillig und ich habe mich gefreut für dich.
Das war im dritten Semester.
Und jetzt ist da eine Zeit, da hatten wir zwar Lehrveranstaltungen zusammen, aber wenn du nicht kamst, hast du mir nicht einmal mehr eine SMS geschrieben. Wenn ich nach einem Cocktail gefragt habe, kam ein “ja vielleicht nächste Woche mal” zurück und zwei Wochen später immer noch keine Nachricht. Deine Freunde fragten mich statt dir nach einer Kanutour und du erzähltest, dass das eigentlich alles nur ein Missverständnis war, ein bisschen blöd vielleicht, aber das ist ja jetzt geklärt, kommt natürlich nie wieder vor. Das war im Juni. Jetzt ist August und ich sehe nur noch auf StudiVZ die Bilder, wenn ich nach ihnen suche. Denn gemeldet hast du dich schon lang nicht mehr.
Das ist das vierte Semester.
Du löschst meine E-Mail-Adresse und vielleicht auch meine Handynummer, die brauchst du ja nicht mehr. Bei StudiVZ bleiben wir aber Freunde, weil man da ja alle hat, mit denen man einmal drei Worte gewechselt hat. Und all die, von denen man schon gar nicht mehr weiß, wie sie aussehen, weil man sie so lange nicht gesehen hat. Und ich bekomme von dir noch die Rundmails, die alle 200 anderen Studenten auch bekommen, weil du im Fachschaftsrat bist und nunmal die Mails verschickst.
Und ich weiß nicht einmal, warum.
Ist das das fünfte Semester?
Er war nicht außergewöhnlich schön. Kein Mann, bei dem man sich umdreht und denkt “Wenn nicht der, dann kein anderer!”. Sagen wir mal, er war schon süß. Aber er ist Arzt. Und das macht ihn sexy.
Spätestens seit meinem Ärztemarathon in dieser Woche habe meine vage These für mich bestätigt, dass autoritäre Männer einfach sexy sind. Ich konnte sie sogar bereits näher differenzieren.
Denn zum ersten sind nicht einfach diejenigen Männer gemeint, die im privaten Autorität ausstrahlen - das ist schon sexy, aber lässt sich im Zweifelsfall durch einen geschickt fallengelassenen Bademantel auch ganz schnell außer Kraft setzen.
Nein, es sind diejenigen, die von Berufs wegen autoritär sind. Und sein müssen. Eben Ärzte. Oder Polizisten. Beiden kann man keine Widerworte geben, ohne ernsthaft krank zu werden oder in ernsthafte Schwierigkeiten zu kommen.
Im Falle meines Beispiel-Arztes kam überdies noch ein besonderer Faktor hinzu. Er war nicht nur Arzt. Er war Neurologe! Richtig, ohne Erklärung ist das jetzt noch nicht die Erkenntnis schlechthin, denn ein Neurologe hat ja nicht mehr Autorität als ein, sagen wir mal, Orthopäde. Schließlich bringt es mir ebenso wenig, wenn ich nicht auf den Orthopäden höre und deshalb mein Fuß irgendwann abfällt.
Aber als Angehörige des Fernsehvolkes hat ein Neurologe trotzdem einen besondere Konnektivität. Nämlich diejenige zu Über-Arzt und Über-Mann Derek Shepherd. Nicht umsonst hat der “McDreamy” aus Grey’s Anatomy diesen Spitznamen, er ist sowohl für Serienfigur Meredith Grey als auch für mich der Traummann. Und er ist Neurologe. Und zwar Neurologe in einem Krankenhaus (nächste Übereinstimmung), der häufiger auch mal in der Notaufnahme herumläuft (bingo!).
Nun sah mein Arzt nicht wirklich aus wie Derek Shepherd alias Patrick Dempsey, er war eben süß. Aber diese Verbindung aus Arzt, Krankenhausarzt und Neurologe, die hat ihm tatsächlich dazu verholfen, aus dem “süß” ein “ziemlich sexy” zu machen.
Eigentlich wäre der Blogeintrag hier zu Ende, hätte ich meinen Arzt nicht gegoogelt und gestudivzettet. Denn ihn mit Bierflasche in der Hand auf einem Jahrmarkt-Bullen reiten zu sehen, hat ihn ein bisschen an Autorität - und damit an sexiness - einbüßen lassen. Aber nur ein bisschen.
Dampfende Gullideckel, permanent hupende Autos, knallgelbe Taxen. Könnte ein Film sein – ist aber das reale New York. Anscheinend haben es diverse Filmstudios geschafft, New York – oder sagen wir mal genauer Manhattan – tatsächlich so realitätsgetreu abzubilden, dass man sich beim Besuch wie im Film vorkommt.
Oder wie in einer Fernsehserie. In meinem Regal zuhause stehen alle sechs Staffeln Sex and the City, alle sechs habe ich gesehen, einige Folgen dazu doppelt, die gab’s ja auch mal im Fernsehen. Jetzt bin ich tatsächlich in New York – und schaue überall nach diesen hübsch angezogenen „City Girls“, die Sarah Jessica Parker und Co verkörpern. An meinem ersten (kompletten) Tag habe ich ehrlich gesagt keine gefunden, dafür aber eine Menge des Manhattans, das auch in der Serie gezeigt wird. Ein bisschen Fiktion braucht so eine Serie ja auch.
Zu dieser zumindest teilweisen Fiktion scheint auch DER Schuhladen „Manolo Blahnik“ zu gehören. Zugegebenermaßen liegt meine sehr aktive Sex and the City – Zeit schon etwas länger hinter mir, aber als ich gestern als dann doch waschechter Fan vor Ort war, musste ich zwei Mal schauen, bis ich den Laden gefunden habe. Ein Din-A4-Blatt großes Messingschild auf der einen und eines auf der anderen Seite eines winzigen Schaufensters sind mit „Manolo Blahnik“ beschriftet. Vor der Tür steht ein halbherzig edel angezogener Mann, innen drin gähnende Leere. Ich hatte nicht nur ein etwas prunkvolleres Äußeres erhofft, sondern eigentlich auch etwas mehr Trubel innen drin. Das ist schließlich DER Schuhladen. So allerdings konnte ich mir einen Großteil der Modelle wunderbar anschauen – durchs Fenster. Denn rein habe ich mich nicht getraut, schließlich versprühen solche Geschäfte zum Einen den Charme des Wenn-Du-Dir-Hier-Eh-Nichts-Leisten-Kannst-Werfen-Wir-Dich-Sowieso-Gleich-Wieder-Raus. Zum anderen hatte ich zwecks bequemeren Stadtrundgangs Turnschuhe an. Und damit habe ich mich schon in Grund und Boden geschämt, als ich nur vor dem Fenster stand.
Trotzdem habe ich ihn gleich gesehen, DEN Schuh, der mich für mindestens die nächsten fünf Jahre glücklich machen würde. Er ist – soweit man es durch das polierte Fenster sehen konnte – aus pinkem Satin, hat mörderische Absätze, hinten eine geschlossene Ferse, vorn einen breiten Riemen mit großer, ovaler Diamantschnalle und offene Zehen. Ein Peeptoe. Was gäbe ich darum, diesen pinken Peeptoe einmal an meinem Fuß zu haben…
Vielleicht mache ich die gestrige Tour entlang der Fifth Avenue mit Abstecher in die 54th Street noch einmal – im annähernden Sex and the City-Outfit und einem Blick, der sagt: „Wenn du mich rausschmeißt, halte ich dir in der Tür noch einmal meine schwarze American Express unter die Nase!“
Es war ein violetter geflochtener Korb, darin eine Blume mit kleinen violetten Blüten und ein violetter Filz-Schmetterling, darum eine „Blume 2000“-Verpackung. Den Korb drückte mit ein Freund an meinem Geburtstag in die Hand – ein halbernst gemeinter Scherz, wir hatten ein paar Tage vorher noch über meinen „schwarzen Daumen“ und mangelndes Glück in Sachen Pflanzenpflege gesprochen. Das an sich wäre noch keinen Blogeintrag wert – wohl aber der Ausspruch einer Kommilitonin, die daneben stand und die Szene mit einem seufzenden „Oh wie schön, es gibt noch Männer, die Blumen schenken“ quittierte.
Natürlich gibt es die. Sonst gäbe es ja keine Blumenläden, schon gar keine „Blume 2000“-Läden mehr. Denn letztere vermitteln schon vom Namen her den Schnellimbiss-Charakter, den ein Mann braucht, um einzukaufen. Denn lang darf es ja nicht dauern – höchstens die Zeit, die der Bürger im Schnellimbiss von der Bestellung bis zum Mund braucht. Für alles andere ist Einkaufen nicht wichtig genug.
Mich hat dieser Ausruf nach längerem Überlegen zu der Überzeugung geführt, dass er falsch ist. Richtig müsste er heißen: „Oh wie schön, es gibt noch Männer, die ihren Freundinnen Blumen schenken.“ In besagter Situation hätte das nicht gepasst – auf die Äquivalenz zum Geschenkten gehe ich mal nicht ein. Aber nach meinem gesellschaftlichen Mainstream-Gefühl schenkt ein Mann natürlich Blumen. Seiner Freundin. Das ist die rote Rose zu einem der ersten Dates, das ist der Strauß roter Rosen zum Jahrestag, das sind die bunten Tulpen einfach so, weil Frühling ist und das ist der hübsche, in den Lieblingsfarben der Freundin gehaltene Strauß zum Geburtstag.
Richtig, nicht aufgeführt ist hier die Blume im Topf. Aber die bekommt vom Mann ja eigentlich auch nur Mutti zu Ostern oder Oma zum Geburtstag.
Und das führt letztendlich zu der Quintessenz: Blumen an eine Freundin haben meistensimmer einen falschen Unterton…
Ich bekomme übrigens häufiger Blumen geschenkt. Rosen, Tulpen und Sträuße – von meinem Liebsten
Es gibt Orte auf der Welt, von denen kennt man nur den Namen. Wenn man den Namen aber hört, verbindet man mit ihnen Traumurlaub. Das ist ja auch okay, denn warum sollte man mehr als den Namen über etwas wissen, womit man doch nie in Kontakt kommen wird? Schwieriger wir es nur, wenn man sozusagen im Lotto gewonnen hat und nun einen tatsächlichen Traumurlaub buchen will. Dann kommen einem all diese Worte in den Kopf - gefolgt von der Frage: Wo zur Hölle liegt das eigentlich?
Dass die Malediven irgendwo im indischen Ozean beheimatet sind, war irgendwo noch dumpf in meinem Hinterkopf vorhanden. Dass die Seychellen aber ebenso wie Mauritius auch in eben diesem liegen, beide näher an Afrika und die Malediven näher an Asien, das war mir gänzlich neu. Ebenso neu war mir, dass Mauritius sozusagen neben Madagaskar liegt (a propos - war Madagskar nicht eigentlich nur dieses Fantasieziel von vier kälteempfindlichen Pinguinen?!).
Etwas einfacherer wird es auf der anderen Seite der Welt. Dominikanische Republik. Jep, Ortung vorhanden. Jamaika? Vielleicht daneben. Als unsere Reisebürofrau dann mit Aruba ankam, setzte alles aus. Ach ja richtig, Karibik. Genauer: Niederländische Antillen.
Aber wo man schon bei Traumurlaub ist: Gibt es nicht irgendwas, das sich Bora Bora nennt und der eigentliche Inbegriff von Sandstrand, Palmen und mindestens 35 Grad im Schatten ist? Bora Bora gehört zu Französisch-Polynesien. Ahja. Ein Blick in Google Maps zeigt einem erst einmal den ernüchternden Hinweis: “Karten mit diesem Zoomwert stehen für diese Region leider nicht zur Verfügung.” Das ist nur logisch - denn wer will sich schon das hübsche Google-Hellblau in fünf-Kilometer-Stücken anschauen? Denn Französisch-Polynesien liegt mitten im Südpazifik. Mitten drin. Da, wo jede europäische, zweidimensionale Weltkarte zuende ist. Zwischen Australien und Südamerika. Im kartographischen Nichts.
Ich frage mich, was man eigentlich damals im Erdkunde-Unterricht gemacht hat. Wäre es nicht sinnvoller, lebensnaher und lernmotivierender, statt allen Ländern Afrikas die Traumurlaubsziele eines jeden Sonnenliebenden auswendig zu lernen?
Ich zumindest habe mich weitergebildet. Ich weiß jetzt, wo Bora Bora liegt. Aber dieses Ende der Welt ist für uns dann doch zu teuer…
Mein Computer hat es wohl geahnt, als er auf einmal nicht einmal mehr hochfahren wollte. Hat geahnt, dass er bald abgeschrieben sein wird und sich nun ein letztes Mal aufgebäumt, sich bemerkbar gemacht. Nur gebracht hat es nichts, höchstens das Gegenteil. Denn als ich den sauschweren Rechner samt meinen beiden Druckern (einer davon auch noch ein sauschweres Multifunktionsgerät - die wollten auch nicht mehr) meine vier Stockwerke heruntegeschleppt, 60 Kilometer durch Schleswig-Holstein kutschiert und bei meinem Vater aufgebaut habe - da ist er anstandslos hochgefahren. Da fühlte er sich ja auch wohl, in der Umgebung von mindestens fünf Windows-Rechner, die da so im Haus verteilt aufgebaut sind.
Bei mir, da hat er wohl die Aura gemerkt. Die Aura, die ich ausgestrahlt habe, als ich mir wochenlang Gedanken darüber gemacht habe, ob ich mir einen neuen Laptop kaufen soll. Einen leichten, handlichen, kleinen, auf dem man aber im Gegensatz zum Eee-PC noch etwas lesen kann. Das hat er wohl gemerkt, mein PC. Und hat kurzerhand die Arbeit verweigert.
Soll er ruhig. Denn jetzt habe ich es getan. Ich habe im Internet geklickt und sieben endlose Tage später kam es an: Mein nagelneues MacBook Air. Federleicht schwebt es fast durch den Raum und bereitet meiner Schulter keine Schmerzen mehr, wenn ich es in der Tasche mit mir herumtrage.
Und das Betriebssystem erst… Es… ja, es läuft einfach. Man installiert ein Programm - und es läuft. Man richtet etwas mit zwei Klicks ein - und es läuft. Man verbindet sein Handy per Bluetooth - und es läuft. Alles, wofür ich bisher mindestens zwei Stunden gebraucht habe, weil Windows nicht so wollte, geht unter Mac in zwei Minuten. Höchstens.Und jetzt frage ich mich - wenn beim Mac alles so einfach geht - warum nur ist Windows dann so verbreitet? Vermutlich, weil sonst alle Ich-erkläre-euch-mal-wie-man-mit-dem-PC-arbeitet-Kurslehrer sonst arbeitslos wären. Und das wiederum wäre ja nun auch gar nicht gut für die Wirtschaft…
Ich möchte nicht wissen, wie viel Zeit wir im Leben damit verbringen, zu warten. Auf den Bus, die Bahn, das richtige Autoangebot bei mobile.de. Darauf, dass der Kaffee fertig brüht, mich die Bäckereiverkäuferin bedient, der Weltfrieden endlich Fakt statt Hoffnung ist.
Und je länger man warten muss, desto schlimmer wird es. Das Problem ist, dass man irgendwie ständig auf etwas warten muss. Auf den Bescheid der Uni, auf die Note in der Klausur, noch länger auf die in der Hausarbeit. Darauf, dass die Werbung vorbei geht und meine Lieblingsserie weiter (wobei, das Problem ist zumindest zum Teil durch rtlnow.de behoben…), darauf, dass man zurückgerufen wird, auf das richtige Wohnungsangebot, am Montag auf die Luftentfeuchter, die Penny natürlich erst ab Donnerstag hat…
Nun verhält sich jeder Mensch beim Warten anders. Der eine verdrängt es und lebt weiter fröhlich in den Tag. Der nächste ist zwar milde aufgeregt, kann aber dennoch seinem normalen Tagesablauf folgen. Und der dritte denkt den halben Tag an nichts anderes, zählt die Sekunden, ist ungeduldiger als ein Jack-Russel, der dringend mal Gassi gehen muss. Ich gehöre zur letzteren Sorte. Und ich weiß aus eigener Erfahrung: Als eine solche macht Warten auf Dauer aggressiv. Ich bin wütend auf den Busfahrer, der zu spät kommt, die S-Bahn, die mich meinen nächsten Zug verpassen lässt, das Internet, weil es einfach viel zu langsam ist. Ich könnte der Bäckereiverkäuferin den Hals umdrehen, weil ich furchtbar gerne mein Brötchen hätte - und zwar vor morgen früh, denn ich habe JETZT Hunger.
Ein weit bekannter Ratschlag lautet ja: Abwarten. Tee trinken. Jetzt weiß ich auch warum. Denn beruhigt Tee nicht auch die Nerven?
Manchmal ist das Leben hart. Es ist hart, wenn man so viel zu tun hat, dass man nur noch höchstens alle zwei Monate einen Club von innen sieht, es ist hart, wenn man zwei Monate auf Wohnungssuche ist, aber vor allem ist es hart, wenn man über eineinhalb Monate ohne Internetanschluss ist.
Einmal ganz abgesehen von der Handyrechnung, die einem ins Haus flattert, wenn man ohne Festnetz-Flatrate in einer neuen Stadt wohnt und der Freund ganz wo anders, ist man ohne Internet einfach aufgeschmissen. Ich muss voller Zweifel und Unbehagen zur S-Bahn-Station gehen, weil ich nicht weiß, wann mein Zug fährt und mein Gehirn die vielen Sonderfahrzeiten einfach nicht aufnehmen will. Ich muss stundenlang in der Uni an der Tür zum CIP-Pool lauern, um einen freien Rechner zu bekommen, um meine spärlichen Mails abzufangen. Ich muss mir mein Fernsehprogramm aus Teletexten zusammensuchen. Ich muss mir einen öffentlichen PC suchen, um herauszufinden, wie ich den Schimmel in meinem Bad bekämpfe. Ich muss mir CDs kaufen, weil ich keine Musik runterladen kann.
Ich muss für die Uni lernen, weil mich kein ICQ davon ablenken kann. Ich muss ein Buch lesen, weil ich nicht sinnlos in Foren herumsurfen kann. Ich muss meine Wäsche waschen und staubsaugen und Geschirr abwaschen und Vorhänge kürzen, weil ich nicht im StudiVZ spionieren kann.
So. Und seit dem 18.12.2007 gehört hinter jedes “muss” ein “-te”. Vergangenheitsform. Denn das irreale Leben hat mich wieder! Nachdem Arcor es nicht geschafft hat, hat mich Alice an die Ader des Lebens angeschlossen, hat mir mein Internet wiedergegeben und treibt die Telekom in den Ruin, weil mein Handy jetzt nur noch die Grundgebühr abwirft.
Ich habe Internet! Ich habe Telefon! Ich bin wieder da!