Man hört immer wieder, dass Tiere in die Welt des Menschen eindringen, ihn belästigen und quasi von ihm Leben. Ratten zum Beispiel. Kann ich nicht bestätigen - ich füttere sie ja sogar. Oder Waschbären. Die sollen ja so einen Lärm beim Umstoßen der Mülltonnen machen, dass so manch ein Hausbesitzer sich schon mit der Schrotflinte auf die Lauer gelegt hat.
Ganz neu ist mir aber, dass auch Vögel diese Tendenzen zeigen. Ich kenne Spatzen normalerweise so, dass sie selbst beim bloßen Vorbeigehen meinerseits aus ihrer gut geschützten Position in der Hecke fliehen, um dann, wenn alles sicher ist und ich weg bin, wieder dort Platz zu nehmen. Ich kenne Spatzen aber eigentlich nicht so, dass sie einem auch noch das Brötchen vom Teller klauen. So geschehen neulich auf dem Eutiner Marktplatz. Bei meinem Lieblingsbäcker habe ich mir wie üblich ein belegtes Ciabatta gekauft und wollte dies draußen mit Blick auf die Geschehenisse auf dem Platz genüsslich verspeisen. Ungefähr fünf, sechs Spatze pickten in gebührendem Abstand auf dem Boden Brotkrümel auf, bis sie eine neue Beute entdeckten - mein Ciabatta. Einer nach dem anderen ließen sie sich auf den umliegenden Tischen und Stühlen nieder, hüpften näher und wieder weg, beobachteten mich. Und dann startete der Angriff. Ein Spatz flog vorwitzig auf die Stuhllehne mir gegenüber, das Brötchen nicht aus den Augen lassend. Dann setzte er über auf den Tisch. Taperte näher, guckte mich noch einmal frech an, pickte einen Krümel von meinem Teller auf und flog fröhlich weg.
Seit wann zum Teufel haben Spatzen den Respekt vor den Menschen verloren? Kann man nicht einmal mehr in Ruhe sein Brötchen essen, ohne dass es einem von der hiesigen Tierwelt geneidet wird? Kann man Spatzen des Mundraubs bezichtigen und sie mit einer angeketteten Murmel in das Spatzennest sperren? Oder bin ich einfach zu egoistisch und es grenzt an Tierquälerei, wenn ich dem armen Spatz, dessen Lebensraum wir Menschen ja zerstört haben, von meinem Essen nichts abgebe? Sollte dem so sein, möchte ich aber auch, dass der Mensch mit der Schrotflinte den armen Waschbären seine Mülltonne schon einmal vorsorglich abends auskippt und ab sofort keine Tiermordversuche mehr unternimmt!
Gäbe es hier Sound würde ich jetzt den Song von “La cucaracha” vorpfeifen. Denn er passt auf Gran Canaria. Was tagsüber als höchstens von alten Kaugummis verschmutze Straße noch ganz apart anmutet, wird abends für ungeübte Touristen zur Schrei- und Hüpfstation. Denn mit der Dämmerung kommen sie. Ganze fünf Zentimeter groß, braun, mit langen Fühlern und Beinen und rasend schnell. Die Kakerlake. Entschuldigung, es heißt natürlich die Massen von KakerlakeN. Wer genau hinschaut (was man gar nicht möchte) sieht an allen Ecken und Enden welche. Vom Baby bis zum ausgewachsenen sechs-Zentimeter-Monster. Gut, sie tun einem nichts. Aber sie sehen ekelig aus, knacken furchtbar, wenn man auf sie drauftritt und über meine lediglich sandalettenbeschützen Füße möchte ich sie auch nicht laufen haben. Vermutlich nährt sie der Essensabfall der tausend Hotels auf der Insel, der tagsüber in der Wärme fröhlich vor sich hingärt. Aber da sie nicht besonders hygienisch sind, sollte man dort wirklich mal etwas gegen sie tun.
Unbewiesen ist für mich bis jetzt, ob die Regierung nicht etwas getan HAT. Denn mit den Kakerlaken taucht nachts noch eine andere Masse von Tieren auf: Katzen. Ungleich süßer, felliger, größer und hierzulande ja auch als Haustier geschätzt waren sie im Gegensatz zu den Cucarachas wirklich nette Zeitgenossen. Nur die Häufigkeit, mit der einem eine über den Weg stolzierte (Katzen laufen nicht, sie stolzieren. Schonmal bemerkt?), war wirklich verwunderlich. Fünf Stück auf der Treppe am Strand, drei Stammgäste auf dem Hotelgelände und sechs oben auf der Promenade, dazu ein gutes Dutzend, dass einem nachts auf den verschiedenen Straßen begegnete. Nun meine Theorie: Katzen fressen Kakerlaken. Das würde die hohe Zahl beider erklären. Aber wie gesagt, Beweise habe ich dafür nicht. Ich habe weder eine Katze eine Kakerlake verspeisen noch eine Kakerlake panisch vor einer Katzentatze flüchten sehen. Vielleicht gibt es ja trotzdem jemanden, der meine Theorie unterstützt. Hat hier vielleicht irgendjemand Beweise für mich?
Hier das klassische Beispiel dafür, dass es mitunter nicht einfach ist, die Viecher einzufangen - geschweige denn festzuhalten, wenn man sie denn einmal hat. In der Paraderolle: Manga.
Ratten in der Teenager-Phase haben nur eines im Sinn: Sich prügeln. Damit das nicht einfach so geschieht, müssen dabei allerdings bestimmte Regeln eingehalten werden:
1. Der Halter/Futtergeber hat gerade 5 Minuten das Licht ausgemacht und befindet sich in der Einschlafphase.
2. Es wird sich ein Ort ausgesucht, an dem die Prügelei besonders viel Lärm macht. Vorzugsweise im Pellet-Streu, das dann so schön klötert. Nach Möglichkeit lässt sich dabei auch noch der ein oder andere Napf umschmeißen.
3. Eine Ratte hat gerade schlechte Laune/besonders gute Laune/Lust auf Krawall/Langeweile und findet eine andere, möglichst gleichgesinnte Ratte.
4. Bei der Prügelei gilt stets das Gesetz: Wer am lautesten quiekt oder faucht, hat gewonnnen.
5. Je länger die Prügelei dauert, desto besser ist es. Wer als erster aufhört, ist ein Loser.
Nun die Fangfrage: Wie lassen sich Flegelratten und Schlafbedürfnis vereinen?
Gerade habe ich ein Video gefunden, das beweist, was für zauberhafte Tiere Ratten doch sein können. Nix vonwegen Kanalratte oder Pestüberträger… Ob meine irgendwann auch einmal solche Genießer werden? Momentan flutschen einem die kleinen schon aus der Hand, wenn man sie nur hochnimmt