Ein Film über einen Superhelden. Was kann da kommen ? Ein Kerl, wahlweise eine Frau (das aber eher selten), der Superkräfte jedweder Art hat und sie im Zweifelsfall erst noch entdeckt (Smallville), dann die Welt vor dem Bösen rettet (Superman, Spiderman, und alles andere), eventuell strauchelt und am Ende aber doch gewinnt.

Das ist Schema S. S für Superheldenfilm. Das ist zwar eigentlich immer das gleiche, aber mitunter trotzdem spannend. Halbwegs innovativ fand ich an dem neuen Film “Hancock” aber, dass der Held gleich am Anfang eher ein Anti-Held ist, der erst einmal einen PR-Berater braucht, um ein wirklicher Held zu werden. Der Trailer beinhaltete witzige Szenen, Will Smith als John Hancock setzte dem Film den bestimmt-sehbar-weil-entweder-irre-komisch-oder-zumindest-gut-gespielt- Stempel auf.

Die erste halbe Stunde verlief mit dem neuen Plot nach Schema S, war schnell ohne die Charaktere zu vernachlässigen und hatte eine gewisse Grundkomik. Und dann kam der Dreh, der in keinem Trailer zu sehen und vorher auch nirgendwo zu lesen war. Der einen im ersten Moment sowas von überrascht hat, dann aber ein schlüssiges Bild ergeben und in der noch schnelleren zweiten Hälfte des Filmes die Handlung ausmachte.

Mehr verrate ich nicht, sonst wird es ja langweilig. Aber ich habe vollsten Respekt vor den Autoren, dass die endlich einmal einen Film bringen, den man nicht vorhersehen kann, der alle zwei Minuten seine Richtung ändert, einen in den Action-Szenen in die Sitze drückt und dabei noch urkomisch ist. Das muss man bei der Fülle von Superhelden-Epen überhaupt erst einmal schaffen.

Und auch Will Smith brilliert hier in seiner Rolle, die man gar keiner anderen zuordnen kann. Weder dem “Prinz von Bel Air”, noch dem “Streben nach Glück” oder “I am Legend” ähnelt er hier, was ein weiteres Mal sein Facettenreichtum zeigt.

Deshalb mein Urteil: fünf von fünf (N-Joy-)Sternen :-)

Für alle, die den Trailer noch nicht kennen:

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Mein Computer hat es wohl geahnt, als er auf einmal nicht einmal mehr hochfahren wollte. Hat geahnt, dass er bald abgeschrieben sein wird und sich nun ein letztes Mal aufgebäumt, sich bemerkbar gemacht. Nur gebracht hat es nichts, höchstens das Gegenteil. Denn als ich den sauschweren Rechner samt meinen beiden Druckern (einer davon auch noch ein sauschweres Multifunktionsgerät - die wollten auch nicht mehr) meine vier Stockwerke heruntegeschleppt, 60 Kilometer durch Schleswig-Holstein kutschiert und bei meinem Vater aufgebaut habe - da ist er anstandslos hochgefahren. Da fühlte er sich ja auch wohl, in der Umgebung von mindestens fünf Windows-Rechner, die da so im Haus verteilt aufgebaut sind.

Bei mir, da hat er wohl die Aura gemerkt. Die Aura, die ich ausgestrahlt habe, als ich mir wochenlang Gedanken darüber gemacht habe, ob ich mir einen neuen Laptop kaufen soll. Einen leichten, handlichen, kleinen, auf dem man aber im Gegensatz zum Eee-PC noch etwas lesen kann. Das hat er wohl gemerkt, mein PC. Und hat kurzerhand die Arbeit verweigert.

Soll er ruhig. Denn jetzt habe ich es getan. Ich habe im Internet geklickt und sieben endlose Tage später kam es an: Mein nagelneues MacBook Air. Federleicht schwebt es fast durch den Raum und bereitet meiner Schulter keine Schmerzen mehr, wenn ich es in der Tasche mit mir herumtrage.

Und das Betriebssystem erst… Es… ja, es läuft einfach. Man installiert ein Programm - und es läuft. Man richtet etwas mit zwei Klicks ein - und es läuft. Man verbindet sein Handy per Bluetooth - und es läuft. Alles, wofür ich bisher mindestens zwei Stunden gebraucht habe, weil Windows nicht so wollte, geht unter Mac in zwei Minuten. Höchstens.Und jetzt frage ich mich - wenn beim Mac alles so einfach geht - warum nur ist Windows dann so verbreitet? Vermutlich, weil sonst alle Ich-erkläre-euch-mal-wie-man-mit-dem-PC-arbeitet-Kurslehrer sonst arbeitslos wären. Und das wiederum wäre ja nun auch gar nicht gut für die Wirtschaft…

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Vor zwei Jahren sah man sie plötzlich an jedem Auto - und wer sich zum Viertelfinale noch eine besorgen wollte, stand vor leeren Regalen in den Geschäften. Für die EM dieses Jahr hat sie sich gewappnet, die Industrie, und hat Abermillionen schwarz-rot-goldener Autofahnen hergestellt. Doch sie hat nicht nur die Deutschen als Markt erkannt. Was vor zwei Jahren gut lief, wurde jetzt noch ausgeweitet. Denn wieso sollten Türken, Russen, Spanier und Holländer nicht auch mit ihrer Landesfahne am Auto durch die Gegend fahren?

Das Konzept ist aufgegangen - in diesem Jahr habe ich schon fast mehr türkische als deutsche Fahnen gesehen. Jetzt natürlich nicht mehr, schließlich haben wir die Türken rausgeschmissen. Was die Statistik aber wieder ausgleicht ist folgender Trend: Zur Weltmeisterschaft war es Kult, sich eine Fahne ans Auto zu hängen. Eine? Die reicht jetzt nicht mehr. Mindestens zwei müssen es schon sein, der Symmetrie wegen. Und die richtigen Hardcore-Fans, die haben ihre Fenster auch schon mal mit vier oder gar acht (alles schon gesehen) Fahnen zugepflastert. Da fällt mir wieder die alte Diskussion ein - heißt es eigentlich Fahne oder Flagge? Wusste ich schon vor zwei Jahren nicht.

Allerdings habe ich eine vage Vermutung, woran das denn nun liegt, die Sache mit dem Trend zur Zweitfahne. Zum Einen hat sich die Industrie wie schon erwähnt gerüstet - selbst jetzt zum Finale bekommt man noch eine beliebige Anzahl von Fahnen zu kaufen. Die Türkische gibt es sogar zum Sonderpreis. Selbst der Ober-Discounter Aldi hat sie vorübergehend in sein Sortiment aufgenommen. Im Doppelpack für 1,45. Da nun ja nicht jeder einen Zweitwagen hat, passiert folgendes: Zwei Fahnen gekauft, also auch zwei Fahnen ans Auto gehängt. Sieht eben besser aus. Und da wir diesmal im Finale stehen, scheint es ja geholfen zu haben, die doppelte Fan-Unterstützung.

P.S.: Um das Ganze zu veranschaulichen habe ich auch noch einen Schnappschuss. Denn nicht nur die Zweit- sondern auch die Kleinstfahne scheint voll im Trend zu sein…

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Ich möchte nicht wissen, wie viel Zeit wir im Leben damit verbringen, zu warten. Auf den Bus, die Bahn, das richtige Autoangebot bei mobile.de. Darauf, dass der Kaffee fertig brüht, mich die Bäckereiverkäuferin bedient, der Weltfrieden endlich Fakt statt Hoffnung ist.

Und je länger man warten muss, desto schlimmer wird es. Das Problem ist, dass man irgendwie ständig auf etwas warten muss. Auf den Bescheid der Uni, auf die Note in der Klausur, noch länger auf die in der Hausarbeit. Darauf, dass die Werbung vorbei geht und meine Lieblingsserie weiter (wobei, das Problem ist zumindest zum Teil durch rtlnow.de behoben…), darauf, dass man zurückgerufen wird, auf das richtige Wohnungsangebot, am Montag auf die Luftentfeuchter, die Penny natürlich erst ab Donnerstag hat…

Nun verhält sich jeder Mensch beim Warten anders. Der eine verdrängt es und lebt weiter fröhlich in den Tag. Der nächste ist zwar milde aufgeregt, kann aber dennoch seinem normalen Tagesablauf folgen. Und der dritte denkt den halben Tag an nichts anderes, zählt die Sekunden, ist ungeduldiger als ein Jack-Russel, der dringend mal Gassi gehen muss. Ich gehöre zur letzteren Sorte. Und ich weiß aus eigener Erfahrung: Als eine solche macht Warten auf Dauer aggressiv. Ich bin wütend auf den Busfahrer, der zu spät kommt, die S-Bahn, die mich meinen nächsten Zug verpassen lässt, das Internet, weil es einfach viel zu langsam ist. Ich könnte der Bäckereiverkäuferin den Hals umdrehen, weil ich furchtbar gerne mein Brötchen hätte - und zwar vor morgen früh, denn ich habe JETZT Hunger.

Ein weit bekannter Ratschlag lautet ja: Abwarten. Tee trinken. Jetzt weiß ich auch warum. Denn beruhigt Tee nicht auch die Nerven?

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Manchmal ist das Leben hart. Es ist hart, wenn man so viel zu tun hat, dass man nur noch höchstens alle zwei Monate einen Club von innen sieht, es ist hart, wenn man zwei Monate auf Wohnungssuche ist, aber vor allem ist es hart, wenn man über eineinhalb Monate ohne Internetanschluss ist.

Einmal ganz abgesehen von der Handyrechnung, die einem ins Haus flattert, wenn man ohne Festnetz-Flatrate in einer neuen Stadt wohnt und der Freund ganz wo anders, ist man ohne Internet einfach aufgeschmissen. Ich muss voller Zweifel und Unbehagen zur S-Bahn-Station gehen, weil ich nicht weiß, wann mein Zug fährt und mein Gehirn die vielen Sonderfahrzeiten einfach nicht aufnehmen will. Ich muss stundenlang in der Uni an der Tür zum CIP-Pool lauern, um einen freien Rechner zu bekommen, um meine spärlichen Mails abzufangen. Ich muss mir mein Fernsehprogramm aus Teletexten zusammensuchen. Ich muss mir einen öffentlichen PC suchen, um herauszufinden, wie ich den Schimmel in meinem Bad bekämpfe. Ich muss mir CDs kaufen, weil ich keine Musik runterladen kann.

Ich muss für die Uni lernen, weil mich kein ICQ davon ablenken kann. Ich muss ein Buch lesen, weil ich nicht sinnlos in Foren herumsurfen kann. Ich muss meine Wäsche waschen und staubsaugen und Geschirr abwaschen und Vorhänge kürzen, weil ich nicht im StudiVZ spionieren kann.

So. Und seit dem 18.12.2007 gehört hinter jedes “muss” ein “-te”. Vergangenheitsform. Denn das irreale Leben hat mich wieder! Nachdem Arcor es nicht geschafft hat, hat mich Alice an die Ader des Lebens angeschlossen, hat mir mein Internet wiedergegeben und treibt die Telekom in den Ruin, weil mein Handy jetzt nur noch die Grundgebühr abwirft.

Ich habe Internet! Ich habe Telefon! Ich bin wieder da!

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Es soll Menschen geben, die sehen zwei T-Shirts, wissen instinktiv, welches ihnen besser steht und gehen mit genau diesem zur Kasse. Das ist dann bei ihnen ein Akt von etwa 20 Sekunden samt 15 Sekunden Wegstrecke.

Und es gibt mich. Wenn ich ein T-Shirt sehe, wäge ich grob ab, ob es annähernd zu meinem Stil passen könnte. Wenn es nicht gerade neonpink ist und aussieht wie aus den 50ern, dauert schon das bei mir einen Moment. Dann probiere ich es an (bemerke: OHNE zweites T-Shirt zur Auswahl). Ich drehe mich nach links, drehe mich nach rechts. Und wenn es nicht gerade sitzt wie Sack, dann drehe ich mich auch noch fünf Mal um die eigene Achse, um es von allen Seiten zu betrachten. Dann stellt sich mir folgende Frage: Passt der Schnitt? Joa. Passt die Farbe? Joa. Passt der Preis/Wie ist der Kontostand? Okay. Ein deutliches “Ja” gibt es nicht. Bei keiner Frage. Vielleicht ist der Schnitt super, die Farbe aber etwas zu blass. Und ob ich für den Preis nicht noch was besseres… woanders… und ich überlege und überlege und tue mich furchtbar schwer nur zu entscheiden, ob ich dieses eine T-Shirt jetzt kaufen möchte.

Dieses Verhalten ist auf Dauer vielleicht gut für mein Konto, nicht aber für mein Zeit-Management. Denn so wie bei diesem Beispiel geht es bei mir äußerst häufig, ich überlege und überlege und kann mich dann doch nicht entscheiden. Entscheidungen treffen soll man ja trainieren können. Das Problem ist aber nicht, dass ich mich nicht entscheiden kann, sondern dass ich immer neben allen Nachteilen auch alle Vorteile sehe und sie stets gleichauf wiegen. Das ist das eigentliche Phänomen. Selten hat etwas eine Tendenz, noch seltener eine klare Gewichtung. Was beim T-Shirt vielleicht noch nicht so schlimm ist, wirkt sich spätestens bei der Studienplatzwahl dramatisch aus.

Hier passt mir der Ort nicht, aber der Studiengang, da muss ich auf den Bescheid noch warten, aber würde eigentlich gerne hin, und am dritten Ort klappt alles mit dem Job aber dafür mit der Wohnung nicht. Manchmal wäre ich furchtbar gerne einer der Menschen, die ein T-Shirt/einen Studienplatz/eine Wohnung/einen Job sehen, zur Kasse gehen und bezahlen. Ohne langes Anprobieren.

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Es heißt immer, über die Geschichte der Erde gesehen sind wir Menschen noch gar nicht so alt. Es gibt ein Phänomen in der Beziehung zwischen Männern und Frauen, da stimmt das tatsächlich. Fakt ist nämlich, dass Männer, die ein kleines Kind im Arm/auf dem Arm/im Kinderwagen/im Einkaufswagen/bei sich haben, besonders anziehend auf Frauen wirken. Genau das musste ich letztens wieder am eigenen Leib erfahren, als ein Doktor sowieso auf einem Termin ein kleines Kind mit sich herumschob. Da kann der Mann selbst noch so hässlich oder sonstwie komisch sein (was besagtes Exemplar leider beides NICHT war) - sobald das Kind in Erscheinung tritt ist er einfach nur eines - furchtbar süß.

Meine Theorie, warum das so ist, begründet sich auf das menschliche Verhalten in der Steinzeit oder davor, auf jeden Fall beruht es auf Instinkten. Denn wenn eine Frau einen Mann sieht, der ein Kind mit sich herumschleppt, dann signalisiert das im Steinzeit-Ich ein: “Aha, der hat schon eines, das heißt, er weiß genau, wie er damit umzugehen hat, hat sich schon erprobt, da er das Kind noch keinem Säbelzahntiger zum Fraß vorgeworfen hat - wäre also eigentlich der perfekte Vater auch für mein Kind!” Ergo wirkt er besonders anziehend, weil bei ihm die Sicherheit, dass er sich gut um ein Kind kümmert, schon da ist. Die Steinzeitfrau hätte also gut daran getan, sich ihn zu schnappen.

Nun weiß ich nicht, wie das in der Steinzeit mit der Monogamie war. War sie nicht besonders ausgeprägt, hätte dieser Instinkt ja durchaus Sinn gemacht. Auf jeden Fall ist er heute schlichtweg hinderlich. Denn wenn ich jetzt einen Mann sehe, der ein Kind mit sich herumschleppt, dann kann er noch so niedlich sein - er ist vergeben. Außer, er lebt von der Mutter getrennt. Aber da das zumindest bei kleinen Kindern ja gott sei dank doch noch nicht so häufig vorkommt, ist er vergeben. Die Folge davon ist allerdings eine furchtbare Frustration. Denn wenn ich jemanden sehe, den ich furchtbar niedlich finde, und mir dann erst überlege, dass er ja vergeben ist und ich ihn ja doch nicht haben kann - dann führt das doch wieder nur zu einer großen Packung Schokoladeneis.

Einige der alten Instinkte sind also heute wirklich nicht mehr zu gebrauchen, aber wann bilden sie sich denn dann zurück? Tun sie es überhaupt jemals? Immerhin laufen wir heute nicht mehr weg, wenn wir einen Tiger sehen, weil wir wissen, dass er hier eigentlich nur hinter Gittern sitzen kann. Aber das ist aus Erfahrung entstanden. Heißt das demnach, dass man möglichst häufig einem Mann mit Kind begegnen sollte, um den Süß-Effekt zu mindern? Bedenklich finde ich, dass dieser Instinkt selbst dann noch Frustrationen auslöst, wenn man eigentlich wunschlos glücklich mit seinem eigenen Freund ist und für die nächsten zehn Jahre alles haben möchte - außer Kinder . . .

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Warum er genau mich angesprochen hat, weiß ich nicht. Mein Fehler war nur, nicht gleich abzuwimmeln sondern in meinem Verständnis, für diese Situation, Leute ansprechen zu müssen, die einem dann doch nichts sagen wollen, stehen zu bleiben. Er fragte mich was und ich guckte blöd, denn verstanden habe ich es nicht. Achso, ob ich Tiere hätte. Ja klar, Ratten. Was? Was zur Hölle hat er jetzt gesagt? Ah, ob ich nicht auch wollen würde, dass sie gesetzlich anerkannt werden. Naja, Ratten werden wohl gesetzlich nur als Schädlinge anerkannt, aber gut. Zwei Minuten will er haben. Und in zwei Minuten erzählt mir dieser Tierschützer, wie schlimm es ist, dass Tiere misshandelt werden, dass die Täter dafür nicht bestraft werden und was er alles dafür tut.

Er zieht alle Register. Er scherzt, er baggert, er setzt auf Mitleid mit schrecklichen Bildern, irgendwann fängt er an, mich zu duzen, das soll es wohl persönlicher machen. Er hat sein Handwerk echt drauf. Aber irgendwann erkenne ich, warum ich ihn nicht verstehe. Er spricht schlichtweg nicht deutsch. Ich frage ihn, ob er aus Sachsen kommt. Er sagt ja, es bringt ihn halb aus dem Konzept, dass ich so einfach das Thema wechsle. Aber er fängt sich schnell, redet weiter. Ich gebe mir alle Mühe, ihm zuzuhören. Aber ich verstehe ihn einfach nicht. Außerdem spricht er furchtbar schnell um - wenn er seine versprochenen 2 Minuten schon nicht schafft - wenigstens die 7 einzuhalten. Am Ende erzählt er mir, ich solle Mitglied werden. Er erzählt mir nicht, dass auf dem Zettel kleingedruckt steht, dass ich mich für zwei Jahre verpflichte. Das lese ich selbst und finde beides eine Frechheit. Dass er mich nicht drauf hinweist und der Fakt an sich. Ich unterschreibe nicht.

Warum? 1. Weil ich die Hälfte dessen, was er erzählt hat, rein akustisch nicht verstanden habe. 2. Weil ich generell nichts auf der Straße unterschreibe. 3. Weil er mir 120 Euro aus der Tasche leiern wollte und mir das nicht so explizit gesagt hat.

Ich bin mir aber sicher, hätten sie da jemanden gehabt, der Hochdeutsch gesprochen hätte, dann hätte ich mich vielleicht überzeugen lassen. So schlecht finde ich die Idee nämlich gar nicht. Also bitte liebe Was-auch-immer-Organisationen - setzt die Leute, die Kunden auf der Straße anwerben sollen doch bitte dort ein, wo man sie auch versteht. Einen Sachsen in Leipzig, einen Bayern in München und einen Schleswig-Holsteiner in Scharbeutz. Dann unterschreibe ich auch. Ehrlich.

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Es ist ein schöner Song. Er ist ruhig, hat Hintergrund, bei ihm bekomme ich eine Gänsehaut. Und immer, wenn ich ihn höre, denke ich dabei an jemanden. Leider ist es keine besonders schöne Erinnerung, was weniger am Verhalten der Person denn an meinem lag, aber das ist eigentlich eine andere Geschichte.

Es gibt noch einen anderen Song. Er ist ebenso ruhig, hat Hintergrund und bei ihm werde ich immer furchtbar traurig. Wenn ich ihn höre, denke ich dabei an jemanden. Auch das ist keine besonders schöne Erinnerung, hier liegt es aber an der Person.

Es scheint manchmal, als seien Lieder besonders gut dazu geeignet, sich mit Erinnerungen zu verknüpfen. Das Problem ist nur, dass man diese Erinnerungen anscheinend nicht überschrieben bekommt. Man kann weder die Verknüpfungen ganz lösen, noch neue schaffen. Entweder, ein Song hat eine Erinnerung, oder nicht. Aber eine neue - das ist unmöglich. Dabei sind gerade die beiden solche schönen Songs, bei denen ich eigentlich keine schlechten Erinnerungen haben möchte. Vielleicht ist das aber auch alles genau so gewollt, damit man nicht vergisst, was man bisher erlebt hat. Damit etwas nicht einfach ausgelöscht werden kann, auch wenn es noch so traurig war. Vielleicht weiß das Gedächtnis, dass man noch einmal daraus lernen kann und ruft es so wieder in Erinnerung.

Aber auch die Erinnerungen an sich haben etwas Tückisches. Mitunter sind sie gar nicht an einen Song gebunden sondern einfach an die Person selbst. Und wenn jemand halbwegs so aussieht, oder etwas tut, das ähnlich war, oder man in einer stillen Minute einfach nur ein wenig in seinem Kopf kramt, dann kommt es wieder. Die Worte, die Geste, der Blick, vielleicht auch die Berührung. Und komischerweise ist auch das wieder einmal nichts, an das man sich erinnern möchte. Denn dann wäre es keine Erinnerung, dann wäre es auch heute noch so. Obwohl, das stimmt eigentlich auch nicht. In dem Moment, aus dem die Erinnerung stammt, da war es schön. Unschön wurde es erst später. Aber da alles miteinander verknüpft scheint, ruft die schöne die schlechte Erinnerung gleichermaßen hervor - und man wird traurig. Dass es nicht geblieben ist.

Daran schließt sich nun aber eine ganz neue Frage an. Warum denn wird man traurig, wenn man doch jetzt, in diesem Moment etwas hat, das so viel besser ist. Also nicht, dass man einen Apfel hat, wenn man Schokolade haben könnte. Nein, zwei Schokosorten von denen eine eben noch besser schmeckt. Die hat man. Aber die andere, die hatte auch so einen ganz besonderen Geschmack, den man vermisst. Warum fällt es manchmal so schwer, loszulassen? Sich damit abzufinden, zu schätzen, was man jetzt hat, wie toll das eigentlich ist? Vielleicht, weil man nicht weiß, wie es hätte werden können. Weil es dieser Moment war, der so schön war. Aber die vielen anderen, die noch hätten kommen können, die hat man nicht mitbekommen. Und so hat man keinen wirklichen Vergleich und setzt diesen einen Moment mit einer Fülle von anderen auf eine Stufe und denkt, sie wären gleichwertig.

Und warum tut man genau das immer noch, wenn man sich gerade selbst so plausibel erklärt hat, dass das nicht geht?

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Seit ich in die erste Klasse gehe, habe ich mir gesagt, dass ich Abitur machen möchte. Gut, vielleicht war es auch die zweite. Seit ich in die fünfte Klasse gehe (oder die sechste), habe ich mir gesagt, dass ich studieren will.

Ein blöder Spruch besagt, dass es erstens immer anders kommt und zweitens, als man denkt. Seit einem Jahr läuft es genau so. Erst bekomme ich ein Angebot, fest bei der Zeitung zu arbeiten - mein Traumjob, dafür schiebe ich mein Studium ein Jahr nach hinten. Ich bin jung, ich hab das Jahr Zeit und Berufserfahrung macht sich im Journalismus immer gut. Daraus ist in dem Sinne nichts geworden, aber arbeiten tue ich seite einem Jahr trotzdem sechs Mal die Woche für gutes Geld bei eben dieser Zeitung. Ich habe mir gesagt, dann, in einem Jahr, dann gehe ich studieren. Denn studieren ist das, was ich wollte und mir immer vorgenommen habe.

Aus, ja eigentlich aus einer Laune heraus, habe ich mich bei der Axel-Springer-Akademie (Journalistenschule) beworben. An sich ist das dort ein besseres Volontariat. Man macht dort mehr, hat mehr Abwechslung, ist in verschiedenen Zeitungen beschäftigt. Pro Ausbildungsjahr nehmen sie 40 Leute auf, die Akademie gilt als die Eliteschule im Deutschen Journalismus. Wer dort war, hat quasi einen Freifahrtschein für eine feste Anstellung in welcher Zeitung auch immer.

Ich bin in der zweiten Runde. Mit 734 anderen. Von etwa 5700. Hätte ich nicht gedacht. Wenn ich dort angenommen würde, wäre es mehr als blöd, das nicht anzunehmen. Aber ich wollte ja eigentlich studieren. Geht man nach dieser zweijährigen Ausbildung noch studieren? Wohl eher nicht. Wieviele Prinzipien sollte man über den Haufen schmeißen, um das zu werden, was man immer sein wollte? Wenn diese Ausbildung einem bessere Berufschancen verspricht, als jedes Studium, man sich aber ohne Studium nur “halb” fühlt - sollte man es trotzdem machen?

Wie gut, dass ich erst in der zweiten Runde bin. So besteht immer noch die Chance, dass sie mich gar nicht wollen und ich mir diese Gedanken umsonst mache. Was aber… wenn ich jetzt weiterkomme…?

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