Posts Tagged “Leben”

Von: Lina
An: einen Freund
Betreff: Es gab da mal eine Zeit…

Es gab da mal eine Zeit, da haben wir uns nur in den Vorlesungen und Seminaren gesehen. Das war eigentlich auch ganz lustig, weil man immer wusste, dass da jemand ist, dem man den Spiegel wegnehmen konnte (so ein Käseblatt muss eh keiner lesen) und langweilig wurde es so eigentlich auch nie. Aber während der Professor vorne redet, kann man selbst ja auch nicht richtig reden, und deshalb haben wir nie viel geredet und ich konnte mir eigentlich auch nicht vorstellen, dass man mit dir so fürchterlich gut reden könnte.
Das war im ersten Semester.

Dann gab es da mal eine Zeit, in der sind wir zusammen in die Mensa gegangen und haben uns zwischen den Lehrveranstaltungen getroffen, weil wir sowieso nicht so viele davon zusammen hatten. Aber sehen wollte man sich trotzdem, irgendwie auch außerhalb der Uni. Deshalb waren wir auch mal im Bolero und ich dachte, nach einer halben Stunde geht der Gesprächsstoff aus. Aber du hattest doch ein bisschen was zu erzählen und ich auch und daraus wurden dann fünf Stunden. Und ich habe dir in einer total ulkigen Bar in der Schanze, in der außer uns ja keiner war, aber die totaaaal Szene war, von meinen Problemen erzählt, und du warst für mich irgendwie da und hast mir Ratschläge gegeben. Und du hast mit deiner Freundin Schluss gemacht und hast mir eine Stunde lang bei Subway davon erzählt und wie blöd das alles gelaufen ist und ich habe dir zugehört - und vielleicht auch ein paar Ratschläge gegeben.
Das war im zweiten Semester.

Dann gab es da mal eine Zeit, in der wurde ich zu gemütlichen Sit-Ins und großen Partys und Kanutouren eingeladen und das war eigentlich noch viel spaßiger, weil man sich so ja auch mal so fürchterlich viel außerhalb der Uni erzählen konnte. Und ich habe deinen riesigen Freundeskreis kennen gelernt und habe herausgefunden, dass die nicht nur komisch (okay, meistens doch), sondern mitunter auch ganz schön nett sein können. Du hast ein neues Mädchen kennen gelernt und ich habe zugegebenermaßen immer wieder nachgebohrt, aber erzählt hast du dann doch ganz bereitwillig und ich habe mich gefreut für dich.
Das war im dritten Semester.

Und jetzt ist da eine Zeit, da hatten wir zwar Lehrveranstaltungen zusammen, aber wenn du nicht kamst, hast du mir nicht einmal mehr eine SMS geschrieben. Wenn ich nach einem Cocktail gefragt habe, kam ein “ja vielleicht nächste Woche mal” zurück und zwei Wochen später immer noch keine Nachricht. Deine Freunde fragten mich statt dir nach einer Kanutour und du erzähltest, dass das eigentlich alles nur ein Missverständnis war, ein bisschen blöd vielleicht, aber das ist ja jetzt geklärt, kommt natürlich nie wieder vor. Das war im Juni. Jetzt ist August und ich sehe nur noch auf StudiVZ die Bilder, wenn ich nach ihnen suche. Denn gemeldet hast du dich schon lang nicht mehr.
Das ist das vierte Semester.

Du löschst meine E-Mail-Adresse und vielleicht auch meine Handynummer, die brauchst du ja nicht mehr. Bei StudiVZ bleiben wir aber Freunde, weil man da ja alle hat, mit denen man einmal drei Worte gewechselt hat. Und all die, von denen man schon gar nicht mehr weiß, wie sie aussehen, weil man sie so lange nicht gesehen hat. Und ich bekomme von dir noch die Rundmails, die alle 200 anderen Studenten auch bekommen, weil du im Fachschaftsrat bist und nunmal die Mails verschickst.
Und ich weiß nicht einmal, warum.
Ist das das fünfte Semester?

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Er war nicht außergewöhnlich schön. Kein Mann, bei dem man sich umdreht und denkt “Wenn nicht der, dann kein anderer!”. Sagen wir mal, er war schon süß. Aber er ist Arzt. Und das macht ihn sexy.

Spätestens seit meinem Ärztemarathon in dieser Woche habe meine vage These für mich bestätigt, dass autoritäre Männer einfach sexy sind. Ich konnte sie sogar bereits näher differenzieren.
Denn zum ersten sind nicht einfach diejenigen Männer gemeint, die im privaten Autorität ausstrahlen - das ist schon sexy, aber lässt sich im Zweifelsfall durch einen geschickt fallengelassenen Bademantel auch ganz schnell außer Kraft setzen.
Nein, es sind diejenigen, die von Berufs wegen autoritär sind. Und sein müssen. Eben Ärzte. Oder Polizisten. Beiden kann man keine Widerworte geben, ohne ernsthaft krank zu werden oder in ernsthafte Schwierigkeiten zu kommen.

Im Falle meines Beispiel-Arztes kam überdies noch ein besonderer Faktor hinzu. Er war nicht nur Arzt. Er war Neurologe! Richtig, ohne Erklärung ist das jetzt noch nicht die Erkenntnis schlechthin, denn ein Neurologe hat ja nicht mehr Autorität als ein, sagen wir mal, Orthopäde. Schließlich bringt es mir ebenso wenig, wenn ich nicht auf den Orthopäden höre und deshalb mein Fuß irgendwann abfällt.
Aber als Angehörige des Fernsehvolkes hat ein Neurologe trotzdem einen besondere Konnektivität. Nämlich diejenige zu Über-Arzt und Über-Mann Derek Shepherd. Nicht umsonst hat der “McDreamy” aus Grey’s Anatomy diesen Spitznamen, er ist sowohl für Serienfigur Meredith Grey als auch für mich der Traummann. Und er ist Neurologe. Und zwar Neurologe in einem Krankenhaus (nächste Übereinstimmung), der häufiger auch mal in der Notaufnahme herumläuft (bingo!).

Nun sah mein Arzt nicht wirklich aus wie Derek Shepherd alias Patrick Dempsey, er war eben süß. Aber diese Verbindung aus Arzt, Krankenhausarzt und Neurologe, die hat ihm tatsächlich dazu verholfen, aus dem “süß” ein “ziemlich sexy” zu machen.

Eigentlich wäre der Blogeintrag hier zu Ende, hätte ich meinen Arzt nicht gegoogelt und gestudivzettet. Denn ihn mit Bierflasche in der Hand auf einem Jahrmarkt-Bullen reiten zu sehen, hat ihn ein bisschen an Autorität - und damit an sexiness - einbüßen lassen. Aber nur ein bisschen.

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Ich war in der vergangenen Woche zwei Mal im Krankenhaus. Das erste Mal im Hamburger UKE: Verdacht auf Schweinegrippe. Das zweite Mal in der Lübecker Uni-Klinik: Verdacht auf Meningitis. Ich habe weder Schweinegrippe, noch Meningitis, aber dieses gehäufte Ärzteansammlung um mich herum (dazu kamen schließlich noch 2,5 Hausarztbesuche) plus Fehldiagnosen hat mir wieder einmal vor Augen geführt, wie schrecklich ich mich eigentlich verhalte, wenn ich zum Arzt gehe.

In meinem Kopf herrscht das vermutlich auch richtige Bild vor: Zum Arzt geht man nur, wenn man richtig RICHTIG krank ist. Also mindestens das Bein ab ist. Denn wäre das nicht so (und bisher waren meine Beine immer da, wo sie sein sollen), lachen mich die Ärzte sowieso nur aus, rollen mit den Augen und denken klammheimlich etwas in der Richtung: “Was will die denn hier, wo es gerade in diesem Moment 5 Milliarden Menschen schlechter geht als ihr?”
Aus Angst, nicht genug krank zu sein, um zum Arzt gehen zu dürfen, hab ich dann auch schon mal mehr Schmerzen, als ich eigentlich gerade fühle. Zumindest mit Schuld sind daran aber schon die Ärzte, schließlich fragen sie mich auch immer wieder Sachen, die ich bei näherem Überlegen einfach bejahen muss. “Wo tut es weh, wenn Sie den Kopf nach vorn neigen?” Mhh… also ein bisschen direkt am Nacken (Wahrheit). “Zieht es auch bis unten zum Steißbein?” Ja, also… bis zur Mitte des Rückens mindestens (das tut es aber auch, wenn ich nicht krank bin - da bin ich immer verspannt). Besonders schön sind ja auch Fragen wie: “Haben Sie letztens Mal irgendwann Schmerzen im Arm gehabt, wollte die Hand nicht so, wie Sie?” Ja, also doch, schon ein bisschen (erst heute Morgen bin ich auf meinem Arm liegend aufgewacht, da tat der schon weh!).

Problematisch ist das Ganze dann, wenn man kein Mediziner ist. Wie ich. Denn weiß ich, auf welche Krankheit Schmerzen bis zum Rücken hindeuten? Nein. Und wenn ich den Nacken nach rechts und links drehen kann - dann ist das vielleicht schlechter als nach vorn und hinten? Was muss ich schmerzfrei können, was nicht, damit ich die und die Krankheit habe? Oder nicht habe? Auf jeden Fall führt es zwangsläufig zur falschen Diagnose, wenn ich erzähle, dass es hier ein wenig weh tut und da auch noch ein bisschen sehr viel.
Allerdings: Wenn nun all das, was der Arzt sagt, gar nicht weh tut - dann könnte er ja auch gleich wieder augenrollend verschwinden.

Zu meiner Ehrrettung noch ein Satz zu den Krankenhausaufenthalten: Die Schweinegrippe hat mir die Frau in der Telefonzentrale des ärztlichen Notdienstes angedichtet. Ich habe Wahrheitsgemäß gesagt, dass ich 37,7 ° habe - und somit nach ärztlicher Sicht nicht mal annähernd Fieber. Allerdings habe ich auch gesagt, dass ich gerade aus New York komme und sonst nie Fieber habe… Und die Meningitis geht auf Kosten meines Hausarztes - denn Kopfschmerzen hatte ich, aber nur, wenn ich die Augen bewege, und meinen Nacken konnte ich auch nicht so richtig bewegen. Der ist ja immer so verspannt.

Fazit: Das nächste Mal gehe ich erst zum Arzt, wenn mein Bein ab ist. Mindestens.

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Es war ein violetter geflochtener Korb, darin eine Blume mit kleinen violetten Blüten und ein violetter Filz-Schmetterling, darum eine „Blume 2000“-Verpackung. Den Korb drückte mit ein Freund an meinem Geburtstag in die Hand – ein halbernst gemeinter Scherz, wir hatten ein paar Tage vorher noch über meinen „schwarzen Daumen“ und mangelndes Glück in Sachen Pflanzenpflege gesprochen. Das an sich wäre noch keinen Blogeintrag wert – wohl aber der Ausspruch einer Kommilitonin, die daneben stand und die Szene mit einem seufzenden „Oh wie schön, es gibt noch Männer, die Blumen schenken“ quittierte.
Natürlich gibt es die. Sonst gäbe es ja keine Blumenläden, schon gar keine „Blume 2000“-Läden mehr. Denn letztere vermitteln schon vom Namen her den Schnellimbiss-Charakter, den ein Mann braucht, um einzukaufen. Denn lang darf es ja nicht dauern – höchstens die Zeit, die der Bürger im Schnellimbiss von der Bestellung bis zum Mund braucht. Für alles andere ist Einkaufen nicht wichtig genug.
Mich hat dieser Ausruf nach längerem Überlegen zu der Überzeugung geführt, dass er falsch ist. Richtig müsste er heißen: „Oh wie schön, es gibt noch Männer, die ihren Freundinnen Blumen schenken.“ In besagter Situation hätte das nicht gepasst – auf die Äquivalenz zum Geschenkten gehe ich mal nicht ein. Aber nach meinem gesellschaftlichen Mainstream-Gefühl schenkt ein Mann natürlich Blumen. Seiner Freundin. Das ist die rote Rose zu einem der ersten Dates, das ist der Strauß roter Rosen zum Jahrestag, das sind die bunten Tulpen einfach so, weil Frühling ist und das ist der hübsche, in den Lieblingsfarben der Freundin gehaltene Strauß zum Geburtstag.
Richtig, nicht aufgeführt ist hier die Blume im Topf. Aber die bekommt vom Mann ja eigentlich auch nur Mutti zu Ostern oder Oma zum Geburtstag.
Und das führt letztendlich zu der Quintessenz: Blumen an eine Freundin haben meistens immer einen falschen Unterton…

Ich bekomme übrigens häufiger Blumen geschenkt. Rosen, Tulpen und Sträuße – von meinem Liebsten

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Nichts ist schlimmer, wenn auf der Jahresversammlung des Vereins der Gleichstellungsbeauftragten die Vorsitzende aufsteht, ihr Manuskript in die Hand nimmt und voller Begeisterung “Liebe Mitglieder und Mitgliederinnen…” vorliest.

Es gibt Mitglieder. Männlich wie weiblich. Mitgliederinnen ist schlicht falsch. Und ganz schrecklich anzuhören. Allerdings scheint das in Zeiten von einer Emanzipation für alle und der Bibel in gerechter Sprache leider überhaupt keinen mehr zu interessieren. Es wird in -in oder -innen angehängt, wo immer man meint, hier müsse auch das weibliche Geschlecht explizit mit einbezogen werden. Wer es nicht tut, entschuldigt sich dafür mehrfach und bittet vielmals um Verständnis.

So ein Professor zu Beginn des Semesters. Er werde auf die weibliche Form verzichten, erzählte er, bevor er mit dem ersten Satz seines Manuskriptes begann. Aber die Lesbarkeit würde darunter enorm leiden, genauso wie die Verständlichkeit. Er wolle aber niemanden diskriminieren und hoffe auf unser Verständnis.

Ich habe kein Verständnis. Nicht für Leute, die Mitgliederinnen sagen und nicht für Leute, die wollen, dass man Mitgliederinnen sagt. Ich habe Verständnis, nein, vollsten Respekt für meinen Professor, der mit dieser Untugend aufräumt. Nur entschuldigen sollte er sich dafür zukünftig nicht mehr. Denn er hat vollkommen recht. Die Sprache wird kompliziert, unnötig aufgebauscht und die Emanzipation braucht nun wirklich alles - außer einer permanent-penetranten angefügten Endung, die sie explizit als solche ausweist.

Überrascht war ich ob dieser Inflation von Mitgliederinnen, als ich letztens in der Tierarztpraxis in der Vogue blätterte. Zum einen, weil ich mich gefragt habe, wer beim Tierarzt die Vogue liest, und zum anderen, weil da mit einer ebenso penetranten Konsequenz Christiane Arp als “Chefredakteur” bezeichnet wurde. Ohne -in. Auf jeder der 300 Seiten, auf der sie Erwähnung fand, fand sich kein einziges -in.

Nun zeigt sich hier besonders deutlich, wie sehr ich schon von diesen ganzen Mitgliederinnen eingenebelt bin. Denn komplett irritiert von “Chefredakteur Christiane Arp” fing ich erst einmal an zu Zweifeln, ob sie tatsächlich weiblich ist. Wer weiß, in welchen Ecken dieser Erde Christiane eine männliche Form ist? Anscheinend in keiner. Denn - und hier ist der Beweis:

Chefredakteur Christiane Arp ist eine Frau. Ganz ohne -in, ganz emanzipiert.

Ganz Vogue.

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Dass es eine eigene Variante von Deutsch extra für Behörden gibt, weiß man. Dass es Regelungen gibt, die den Krümmungsgrad einer Gurke und die Farbe einer Tomate vorschreiben, ist seit neuestem auch bekannt. Was mir aber heute aufgefallen ist und ich wirklich schwachsinnig finde: Warum eigentlich muss der grüne Punkt in den gelben Sack?

Nun habe ich gerade so viel Intelligenz, dass ich Müll nicht nach Farben irgendwo hinein sortiere sondern mir das durchaus merken kann. Aber es hat meiner Ansicht nach eine gewisse Sinnfreiheit. Denn warum ist der gelbe Sack gelb? Okay, Grau war schon vergeben und blau seit neuestem auch. Gelb ist da schon okay. Aber wenn doch der gelbe Sack gelb ist, dann sollte sein Inhalt doch wenigstens farblich abgestimmt sein. Der grüne Punkt steht wahrscheinlich für “öko”, weil ja auch alles öko ist, was man wiederverwerten kann. Einer ganz simplen Logik nach aber könnte der grüne Punkt einfach gelb sein - damit man nun auch wirklich genau weiß, was wohin gehört. Als Kind wusste ich das nämlich nicht immer. Wenn ich mich dumpf erinnere, dann wurde die Mülltrennung in diesem Stil auch dann irgendwann eingeführt - zumindest bei uns im Haushalt. Um genau zu sein gibt es das System seit 1990. Da war ich zwar erst drei, aber so etwas braucht ja auch immer, bis es sich durchgesetzt hat. Egal. Auf jeden Fall wurden anscheinend gelber Sack und grüner Punkt zusammen entwickelt. Was ein weiteres Mal die Frage aufkommen lässt - WARUM?

Gelber Sack - gelber Punkt. Oder grüner Sack - grüner Punkt. Ganz einfach. Ganz logisch.

Behörden eben.

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Ich möchte nicht wissen, wie viel Zeit wir im Leben damit verbringen, zu warten. Auf den Bus, die Bahn, das richtige Autoangebot bei mobile.de. Darauf, dass der Kaffee fertig brüht, mich die Bäckereiverkäuferin bedient, der Weltfrieden endlich Fakt statt Hoffnung ist.

Und je länger man warten muss, desto schlimmer wird es. Das Problem ist, dass man irgendwie ständig auf etwas warten muss. Auf den Bescheid der Uni, auf die Note in der Klausur, noch länger auf die in der Hausarbeit. Darauf, dass die Werbung vorbei geht und meine Lieblingsserie weiter (wobei, das Problem ist zumindest zum Teil durch rtlnow.de behoben…), darauf, dass man zurückgerufen wird, auf das richtige Wohnungsangebot, am Montag auf die Luftentfeuchter, die Penny natürlich erst ab Donnerstag hat…

Nun verhält sich jeder Mensch beim Warten anders. Der eine verdrängt es und lebt weiter fröhlich in den Tag. Der nächste ist zwar milde aufgeregt, kann aber dennoch seinem normalen Tagesablauf folgen. Und der dritte denkt den halben Tag an nichts anderes, zählt die Sekunden, ist ungeduldiger als ein Jack-Russel, der dringend mal Gassi gehen muss. Ich gehöre zur letzteren Sorte. Und ich weiß aus eigener Erfahrung: Als eine solche macht Warten auf Dauer aggressiv. Ich bin wütend auf den Busfahrer, der zu spät kommt, die S-Bahn, die mich meinen nächsten Zug verpassen lässt, das Internet, weil es einfach viel zu langsam ist. Ich könnte der Bäckereiverkäuferin den Hals umdrehen, weil ich furchtbar gerne mein Brötchen hätte - und zwar vor morgen früh, denn ich habe JETZT Hunger.

Ein weit bekannter Ratschlag lautet ja: Abwarten. Tee trinken. Jetzt weiß ich auch warum. Denn beruhigt Tee nicht auch die Nerven?

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Es soll Menschen geben, die sehen zwei T-Shirts, wissen instinktiv, welches ihnen besser steht und gehen mit genau diesem zur Kasse. Das ist dann bei ihnen ein Akt von etwa 20 Sekunden samt 15 Sekunden Wegstrecke.

Und es gibt mich. Wenn ich ein T-Shirt sehe, wäge ich grob ab, ob es annähernd zu meinem Stil passen könnte. Wenn es nicht gerade neonpink ist und aussieht wie aus den 50ern, dauert schon das bei mir einen Moment. Dann probiere ich es an (bemerke: OHNE zweites T-Shirt zur Auswahl). Ich drehe mich nach links, drehe mich nach rechts. Und wenn es nicht gerade sitzt wie Sack, dann drehe ich mich auch noch fünf Mal um die eigene Achse, um es von allen Seiten zu betrachten. Dann stellt sich mir folgende Frage: Passt der Schnitt? Joa. Passt die Farbe? Joa. Passt der Preis/Wie ist der Kontostand? Okay. Ein deutliches “Ja” gibt es nicht. Bei keiner Frage. Vielleicht ist der Schnitt super, die Farbe aber etwas zu blass. Und ob ich für den Preis nicht noch was besseres… woanders… und ich überlege und überlege und tue mich furchtbar schwer nur zu entscheiden, ob ich dieses eine T-Shirt jetzt kaufen möchte.

Dieses Verhalten ist auf Dauer vielleicht gut für mein Konto, nicht aber für mein Zeit-Management. Denn so wie bei diesem Beispiel geht es bei mir äußerst häufig, ich überlege und überlege und kann mich dann doch nicht entscheiden. Entscheidungen treffen soll man ja trainieren können. Das Problem ist aber nicht, dass ich mich nicht entscheiden kann, sondern dass ich immer neben allen Nachteilen auch alle Vorteile sehe und sie stets gleichauf wiegen. Das ist das eigentliche Phänomen. Selten hat etwas eine Tendenz, noch seltener eine klare Gewichtung. Was beim T-Shirt vielleicht noch nicht so schlimm ist, wirkt sich spätestens bei der Studienplatzwahl dramatisch aus.

Hier passt mir der Ort nicht, aber der Studiengang, da muss ich auf den Bescheid noch warten, aber würde eigentlich gerne hin, und am dritten Ort klappt alles mit dem Job aber dafür mit der Wohnung nicht. Manchmal wäre ich furchtbar gerne einer der Menschen, die ein T-Shirt/einen Studienplatz/eine Wohnung/einen Job sehen, zur Kasse gehen und bezahlen. Ohne langes Anprobieren.

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Es heißt immer, über die Geschichte der Erde gesehen sind wir Menschen noch gar nicht so alt. Es gibt ein Phänomen in der Beziehung zwischen Männern und Frauen, da stimmt das tatsächlich. Fakt ist nämlich, dass Männer, die ein kleines Kind im Arm/auf dem Arm/im Kinderwagen/im Einkaufswagen/bei sich haben, besonders anziehend auf Frauen wirken. Genau das musste ich letztens wieder am eigenen Leib erfahren, als ein Doktor sowieso auf einem Termin ein kleines Kind mit sich herumschob. Da kann der Mann selbst noch so hässlich oder sonstwie komisch sein (was besagtes Exemplar leider beides NICHT war) - sobald das Kind in Erscheinung tritt ist er einfach nur eines - furchtbar süß.

Meine Theorie, warum das so ist, begründet sich auf das menschliche Verhalten in der Steinzeit oder davor, auf jeden Fall beruht es auf Instinkten. Denn wenn eine Frau einen Mann sieht, der ein Kind mit sich herumschleppt, dann signalisiert das im Steinzeit-Ich ein: “Aha, der hat schon eines, das heißt, er weiß genau, wie er damit umzugehen hat, hat sich schon erprobt, da er das Kind noch keinem Säbelzahntiger zum Fraß vorgeworfen hat - wäre also eigentlich der perfekte Vater auch für mein Kind!” Ergo wirkt er besonders anziehend, weil bei ihm die Sicherheit, dass er sich gut um ein Kind kümmert, schon da ist. Die Steinzeitfrau hätte also gut daran getan, sich ihn zu schnappen.

Nun weiß ich nicht, wie das in der Steinzeit mit der Monogamie war. War sie nicht besonders ausgeprägt, hätte dieser Instinkt ja durchaus Sinn gemacht. Auf jeden Fall ist er heute schlichtweg hinderlich. Denn wenn ich jetzt einen Mann sehe, der ein Kind mit sich herumschleppt, dann kann er noch so niedlich sein - er ist vergeben. Außer, er lebt von der Mutter getrennt. Aber da das zumindest bei kleinen Kindern ja gott sei dank doch noch nicht so häufig vorkommt, ist er vergeben. Die Folge davon ist allerdings eine furchtbare Frustration. Denn wenn ich jemanden sehe, den ich furchtbar niedlich finde, und mir dann erst überlege, dass er ja vergeben ist und ich ihn ja doch nicht haben kann - dann führt das doch wieder nur zu einer großen Packung Schokoladeneis.

Einige der alten Instinkte sind also heute wirklich nicht mehr zu gebrauchen, aber wann bilden sie sich denn dann zurück? Tun sie es überhaupt jemals? Immerhin laufen wir heute nicht mehr weg, wenn wir einen Tiger sehen, weil wir wissen, dass er hier eigentlich nur hinter Gittern sitzen kann. Aber das ist aus Erfahrung entstanden. Heißt das demnach, dass man möglichst häufig einem Mann mit Kind begegnen sollte, um den Süß-Effekt zu mindern? Bedenklich finde ich, dass dieser Instinkt selbst dann noch Frustrationen auslöst, wenn man eigentlich wunschlos glücklich mit seinem eigenen Freund ist und für die nächsten zehn Jahre alles haben möchte - außer Kinder . . .

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Warum er genau mich angesprochen hat, weiß ich nicht. Mein Fehler war nur, nicht gleich abzuwimmeln sondern in meinem Verständnis, für diese Situation, Leute ansprechen zu müssen, die einem dann doch nichts sagen wollen, stehen zu bleiben. Er fragte mich was und ich guckte blöd, denn verstanden habe ich es nicht. Achso, ob ich Tiere hätte. Ja klar, Ratten. Was? Was zur Hölle hat er jetzt gesagt? Ah, ob ich nicht auch wollen würde, dass sie gesetzlich anerkannt werden. Naja, Ratten werden wohl gesetzlich nur als Schädlinge anerkannt, aber gut. Zwei Minuten will er haben. Und in zwei Minuten erzählt mir dieser Tierschützer, wie schlimm es ist, dass Tiere misshandelt werden, dass die Täter dafür nicht bestraft werden und was er alles dafür tut.

Er zieht alle Register. Er scherzt, er baggert, er setzt auf Mitleid mit schrecklichen Bildern, irgendwann fängt er an, mich zu duzen, das soll es wohl persönlicher machen. Er hat sein Handwerk echt drauf. Aber irgendwann erkenne ich, warum ich ihn nicht verstehe. Er spricht schlichtweg nicht deutsch. Ich frage ihn, ob er aus Sachsen kommt. Er sagt ja, es bringt ihn halb aus dem Konzept, dass ich so einfach das Thema wechsle. Aber er fängt sich schnell, redet weiter. Ich gebe mir alle Mühe, ihm zuzuhören. Aber ich verstehe ihn einfach nicht. Außerdem spricht er furchtbar schnell um - wenn er seine versprochenen 2 Minuten schon nicht schafft - wenigstens die 7 einzuhalten. Am Ende erzählt er mir, ich solle Mitglied werden. Er erzählt mir nicht, dass auf dem Zettel kleingedruckt steht, dass ich mich für zwei Jahre verpflichte. Das lese ich selbst und finde beides eine Frechheit. Dass er mich nicht drauf hinweist und der Fakt an sich. Ich unterschreibe nicht.

Warum? 1. Weil ich die Hälfte dessen, was er erzählt hat, rein akustisch nicht verstanden habe. 2. Weil ich generell nichts auf der Straße unterschreibe. 3. Weil er mir 120 Euro aus der Tasche leiern wollte und mir das nicht so explizit gesagt hat.

Ich bin mir aber sicher, hätten sie da jemanden gehabt, der Hochdeutsch gesprochen hätte, dann hätte ich mich vielleicht überzeugen lassen. So schlecht finde ich die Idee nämlich gar nicht. Also bitte liebe Was-auch-immer-Organisationen - setzt die Leute, die Kunden auf der Straße anwerben sollen doch bitte dort ein, wo man sie auch versteht. Einen Sachsen in Leipzig, einen Bayern in München und einen Schleswig-Holsteiner in Scharbeutz. Dann unterschreibe ich auch. Ehrlich.

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