Posts Tagged “Liebe”

Er war nicht außergewöhnlich schön. Kein Mann, bei dem man sich umdreht und denkt “Wenn nicht der, dann kein anderer!”. Sagen wir mal, er war schon süß. Aber er ist Arzt. Und das macht ihn sexy.

Spätestens seit meinem Ärztemarathon in dieser Woche habe meine vage These für mich bestätigt, dass autoritäre Männer einfach sexy sind. Ich konnte sie sogar bereits näher differenzieren.
Denn zum ersten sind nicht einfach diejenigen Männer gemeint, die im privaten Autorität ausstrahlen - das ist schon sexy, aber lässt sich im Zweifelsfall durch einen geschickt fallengelassenen Bademantel auch ganz schnell außer Kraft setzen.
Nein, es sind diejenigen, die von Berufs wegen autoritär sind. Und sein müssen. Eben Ärzte. Oder Polizisten. Beiden kann man keine Widerworte geben, ohne ernsthaft krank zu werden oder in ernsthafte Schwierigkeiten zu kommen.

Im Falle meines Beispiel-Arztes kam überdies noch ein besonderer Faktor hinzu. Er war nicht nur Arzt. Er war Neurologe! Richtig, ohne Erklärung ist das jetzt noch nicht die Erkenntnis schlechthin, denn ein Neurologe hat ja nicht mehr Autorität als ein, sagen wir mal, Orthopäde. Schließlich bringt es mir ebenso wenig, wenn ich nicht auf den Orthopäden höre und deshalb mein Fuß irgendwann abfällt.
Aber als Angehörige des Fernsehvolkes hat ein Neurologe trotzdem einen besondere Konnektivität. Nämlich diejenige zu Über-Arzt und Über-Mann Derek Shepherd. Nicht umsonst hat der “McDreamy” aus Grey’s Anatomy diesen Spitznamen, er ist sowohl für Serienfigur Meredith Grey als auch für mich der Traummann. Und er ist Neurologe. Und zwar Neurologe in einem Krankenhaus (nächste Übereinstimmung), der häufiger auch mal in der Notaufnahme herumläuft (bingo!).

Nun sah mein Arzt nicht wirklich aus wie Derek Shepherd alias Patrick Dempsey, er war eben süß. Aber diese Verbindung aus Arzt, Krankenhausarzt und Neurologe, die hat ihm tatsächlich dazu verholfen, aus dem “süß” ein “ziemlich sexy” zu machen.

Eigentlich wäre der Blogeintrag hier zu Ende, hätte ich meinen Arzt nicht gegoogelt und gestudivzettet. Denn ihn mit Bierflasche in der Hand auf einem Jahrmarkt-Bullen reiten zu sehen, hat ihn ein bisschen an Autorität - und damit an sexiness - einbüßen lassen. Aber nur ein bisschen.

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Es ist ein schöner Song. Er ist ruhig, hat Hintergrund, bei ihm bekomme ich eine Gänsehaut. Und immer, wenn ich ihn höre, denke ich dabei an jemanden. Leider ist es keine besonders schöne Erinnerung, was weniger am Verhalten der Person denn an meinem lag, aber das ist eigentlich eine andere Geschichte.

Es gibt noch einen anderen Song. Er ist ebenso ruhig, hat Hintergrund und bei ihm werde ich immer furchtbar traurig. Wenn ich ihn höre, denke ich dabei an jemanden. Auch das ist keine besonders schöne Erinnerung, hier liegt es aber an der Person.

Es scheint manchmal, als seien Lieder besonders gut dazu geeignet, sich mit Erinnerungen zu verknüpfen. Das Problem ist nur, dass man diese Erinnerungen anscheinend nicht überschrieben bekommt. Man kann weder die Verknüpfungen ganz lösen, noch neue schaffen. Entweder, ein Song hat eine Erinnerung, oder nicht. Aber eine neue - das ist unmöglich. Dabei sind gerade die beiden solche schönen Songs, bei denen ich eigentlich keine schlechten Erinnerungen haben möchte. Vielleicht ist das aber auch alles genau so gewollt, damit man nicht vergisst, was man bisher erlebt hat. Damit etwas nicht einfach ausgelöscht werden kann, auch wenn es noch so traurig war. Vielleicht weiß das Gedächtnis, dass man noch einmal daraus lernen kann und ruft es so wieder in Erinnerung.

Aber auch die Erinnerungen an sich haben etwas Tückisches. Mitunter sind sie gar nicht an einen Song gebunden sondern einfach an die Person selbst. Und wenn jemand halbwegs so aussieht, oder etwas tut, das ähnlich war, oder man in einer stillen Minute einfach nur ein wenig in seinem Kopf kramt, dann kommt es wieder. Die Worte, die Geste, der Blick, vielleicht auch die Berührung. Und komischerweise ist auch das wieder einmal nichts, an das man sich erinnern möchte. Denn dann wäre es keine Erinnerung, dann wäre es auch heute noch so. Obwohl, das stimmt eigentlich auch nicht. In dem Moment, aus dem die Erinnerung stammt, da war es schön. Unschön wurde es erst später. Aber da alles miteinander verknüpft scheint, ruft die schöne die schlechte Erinnerung gleichermaßen hervor - und man wird traurig. Dass es nicht geblieben ist.

Daran schließt sich nun aber eine ganz neue Frage an. Warum denn wird man traurig, wenn man doch jetzt, in diesem Moment etwas hat, das so viel besser ist. Also nicht, dass man einen Apfel hat, wenn man Schokolade haben könnte. Nein, zwei Schokosorten von denen eine eben noch besser schmeckt. Die hat man. Aber die andere, die hatte auch so einen ganz besonderen Geschmack, den man vermisst. Warum fällt es manchmal so schwer, loszulassen? Sich damit abzufinden, zu schätzen, was man jetzt hat, wie toll das eigentlich ist? Vielleicht, weil man nicht weiß, wie es hätte werden können. Weil es dieser Moment war, der so schön war. Aber die vielen anderen, die noch hätten kommen können, die hat man nicht mitbekommen. Und so hat man keinen wirklichen Vergleich und setzt diesen einen Moment mit einer Fülle von anderen auf eine Stufe und denkt, sie wären gleichwertig.

Und warum tut man genau das immer noch, wenn man sich gerade selbst so plausibel erklärt hat, dass das nicht geht?

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Es ist ein Phänomen, das in jeder drittklassigen Fernsehzeitung zu lesen ist: Männer ändern sich nicht. Niemals. Keine zehn Pferde und schon gar keine Frau können ihn dazu bewegen, den Klodeckel herunterzuklappen, den Abwasch zu machen oder an den Hochzeitstag zu denken. Ich habe auch in einer erstklassigen Frauenzeitschrift noch nicht gelesen, dass es Ausnahmen gibt - ergo muss das wirklich stimmen.

Bisher habe ich es auch nicht in Frage gestellt und auch bei meinem Freund als Fakt angesehen. Jegliche Änderungswünsche an seinem Verhalten habe ich also dezent verschwiegen - denn Männer ändern sich ja nicht. Eines mauligen Tages aber, als der Klodeckel offen, die Zahnpastatube wieder mal von vorne ausgedrückt waren, der Abwasch und die Wäsche sich stapelte und auch die Haustiere wieder einmal vor sich hin müffelten, da wagte ich es, all dies einmal anzusprechen. Das Ergebnis: Der Klodeckel ist immer noch offen … die Viecher müffeln immer noch. Das wäre jetzt noch nicht die spannende Geschichte, wenn es nicht doch etwas gegeben hätte, das mich verblüfft hat.

An jenem mauligen Tag habe ich nämlich nicht nur diese dinglichen Sachen angesprochen, sondern auch, dass ich mehr Zeit für mich brauche, die er mir mitunter nur mit sehr schlechtem Gewissen meinerseits lässt. Und siehe da… kein “Liebst du mich nicht mehr?” oder “Willst du dich etwa trennen?” wie es sonst so gerne kommt, wenn ich irgendetwas auszusetzen habe, nein, ein “Okay, machen wir so.” war die Antwort. Wie bitte? So ganz ohne rumgemaule und Liebe-in-Frage-gestelle? Das war ja einfach. Aber Männer ändern sich ja nicht, also habe ich darauf nichts gegeben. Am nächsten Abend aber, den ich mal allein verbringen wollte, kam auch nur ein “Okay”. Zwar musste ich mir den Tag davor noch ungefähr fünfzig Mal anhören, ob ich nicht doch bleiben wolle, aber immerhin verlief der Abend dann klaglos. Und mittlerweile sage nicht mehr ich, dass ich einen Abend Ruhe brauche, sondern mein Freund kommt mit: “Heute komm’ ich spät, fahr doch nach der Arbeit zu dir, du brauchst auch mal Ruhe!”.

Von solchen Beispielen habe ich nach neun Monaten Beziehung noch ein ganzes Nähkästchen voll - also liebe Frauenzeitschriften und TV-Blätter: Wenn ihr schon sagt, dass Männer sich nicht ändern, dann fügt wenigstens die Ausnahmen ein. Denn die perfekte, lernfähige Ausnahme schlendert an meiner Seite die Straße entlang!

Und das mit dem Klodeckel und der Zahnpasta, das kriegen wir auch noch hin, da bin ich sicher…

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